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Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
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In so viel Tagen als der Mond alt ist, in so viel Jahren trägt ein( neu gesetzter?) BaumFrüchte. Ein Kalb, das bei Neumond auf die Welt kommt, wird besser(!) wachsen.",, Bohnen setzt man, wenn der Mond aufgeht, die Buschbohnen, wenn er abnimmt. Ruabnnicht, wenn der Mond aufgegangen ist, sonst tun sie aufschießen. Die Erdäpfel wenn ervoll ist"( Suchen).

Zahlreich sind auch die Aussagen zu den Tierkreiszeichen. ,, Sie geben noch viel aufKalenderzeichen"( Verdreng). Nach den Zeichen auch das Säen. Am besten ist dieWaage, auch noch die Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrau. Krebs ist schlecht. Erdäpfel werden da nicht schön"( Masereben). ,, Mais bei Zwilling oder Stier setzen ist günstig. Bei Zwilling bekommt manzwei Kolben auf einem Stamm. Bei Stier und Widder wird der Mais hart. Fisolen beimKrebs setzen, daß sie voll sind wie die Scheren beim Krebs. Erdäpfel aber nicht beiKrebs, Skorpion oder Wassermann. Wenn man Möhrlein bei den Fischen setzt, dann sindsie glatt"( Mösel). Der Analogieglaube tritt hier auffällig hervor: die Doppelkolbenbeim Zeichen der Zwillinge; Stier und Widder gelten allgemein im Volke als, harte"Zeichen, daher ihr Einfluß auch auf die Maiskörner, Glätte der Rüben beim Zeichender Fische.

3. Winterbeginn

Das österreichische Volk nennt die stillere Zeit des Winters, wenn sich viel imHause abspielt, den Einwärts". Im Gegensatz zum, Auswärts" in der schönen Jahres-hälfte, wenn die Hauptarbeit in freier Natur getan wird.

Der Winterbeginn bringt das Aufarbeiten vieler Dinge im Gemeinschaftswerk, wiedas ,, Urbassn läshn"( Erbsenlesen), Boiza reibn"( Maisentkernen) oder, Wedern zupfn"( Federnschleißen). 63 Die Kukuruzarbeit soll weiter unten im Zusammenhang mit demThema ,, Mais" besprochen werden. Die Federn von den geschlachteten Hühnern wurdenin einem Sack aufgehoben. Abends war dann das Federnrupfen. Die Jüngeren kamenzusammen. Anschließend wurde gesungen und getanzt und danach sind oft ein paarHochzeiten gewesen, denn die Jungen haben sich da kennenlernen können." Ähnlichesgilt auch für andere Gemeinschaftsarbeiten im Hause, deren gab es ja im Herbst eineganze Anzahl. Davon wird noch gesprochen.

4. Schweineschlachten

,, Die Schweine wurden mit gekochtem Futter gefüttert, wenn sie klein waren auchmit Gras, später mit Mastfutter. Vor Weihnachten war das Schlachten. Die Schweinewurden nur mit dem Messer gestochen, das haben nur bestimmte Männer gemacht. Dannkam das Enthaaren. Die großen Borsten wurden erst am Rücken ausgerissen und Bündelgemacht. Die haben sie verkauft an die Bürstenbinder. Dann hat man siedendes Wasserdarüber und das Schwein mit Ketten im Trog gewälzt und hin und her gerieben. Dannmit Messern abgeschabt, auf die Leiter gelegt und immer mit frischem Wasser übergossen.Meist machten das vier Mann. Dann haben sie das Schwein aufgehängt, abgezogen undein Wagholz zwischen die Beine gespreizt. Dann war es zum Ausputzen. Das Aufschnei-den des Schweines auf dem Rücken war nur bei den Bauern üblich. Labe, Nierlein undLunge heraus, die Gedärme auswaschen durch eine Dirn, daß man für die Würste gehabthat. Wenn das Schwein vier Finger hoch Fett gehabt hat, war die Hausfrau eine guteWirtin. Dann war ein großer Festtag. Die Leber hat man gleich zu saurer Leber gemacht,das war das erste Essen"( Hinterland).

63 In der Gottscheer Mundart wird ,, b" für, w" gesprochen und, w" für, f".

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