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Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
Entstehung
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12. Zusammensassung, Vergleiche

Versuchen wir hier erstmals- so wie dann auch in den meisten folgenden Kapi-teln eine Summe zu ziehen. Bei den hier geschilderten Bräuchen und Glaubensvorstel-lungen heben sich aus allgemein verbreiteten und bekannten einige besondere heraus. Daskönnte darauf zurückzuführen sein, daß die Forschung bisher auf sie nicht aufmerksamwurde. Anderes ist möglicherweise Gottscheer Sonderart. Zunächst ist aber zu fragen,wie der vorgelegte Bestand innerhalb der umgebenden Volkskulturen steht und ob sichvielleicht Zusammenhänge mit den alten Herkunftsgebieten der Gottscheer zeigen? Einzusammenfassendes und gültiges Urteil kann sich natürlich erst ergeben, wenn alle Teil-gebiete des Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtums durchschritten sind, also am Ende unseres Buches. Hier zunächstnur, was aus diesem Abschnitt zu ersehen ist.

Daß man Gegenstände in den Weihnachtsnächten auf dem Tisch liegen hat und siedadurch gesegnet glaubt, kennen auch die jugoslawischen Nachbarn, die Ungarn undselbst Slowaken. Auch in Österreich findet sich einiges davon. Europäisch verbreitet istdagegen der Pflugumzug oder der Glaube an die Wirksamkeit des Tanzens im Faschingauf das künftige Wachstum der Felder. Unter den im 4. Abschnitt besprochenen Gott-scheer Vorbildhandlungen finden sich übrigens einige recht originelle.

Im Kapitel Aussaat und Ackerbestellen sind zwei Besonderheiten enthalten. Dieerste ist der Glaube, der sich auf den Stand der Sonne beim Säen bezieht, während mansonst immer nur von der Beachtung des Mondes erfährt. Die zweite sind die Ackerzeichen( Abschnitt 6).

Wie schon erwähnt, fand ich die reichsten Entsprechungen zu den Ackerzeichen inSüdtirol, ferner eine Anzahl weiterer Belege im übrigen Österreich in verschiedenen Bun-desländern. Nach den freundlichen Mitteilungen von Herrn Prof. Dr. M. Gavazzi( Agram) und Herrn Wissenschaftlichen Rat Dr. N. Kuret( Laibach) sind solche Zei-chen sowohl bei den Kroaten wie den Slowenen unbekannt. Ich selbst kann hier nureinen kleinen Hinweis geben. Eine meiner Suchener Gewährsfrauen, die 14 Jahre im slo-wenischen Bereich gelebt hatte, teilte mir mit, daß die Ackerzeichen Kreis und Herz in derNachbarschaft des Suchener Hochtales vereinzelt bekannt seien. Bei einer solchen Be-schränkung dürfte es sich demnach um eine Ausstrahlung von der Gottschee handeln.Hingegen stimmt die Gottschee hier klar mit Österreich überein. Sowohl die hier geschil-derten Ackerzeichen, wie auch jene in den Abschnitten 8, 10 und 11, haben Sinnbild-charakter und dürften einer sehr weit zurückreichenden Altschichte angehören.

Beim Ackersegnen zu Sonnwend( Abschnitt 8) sind zwei Dinge wichtig: der Zeit-punkt sowie die zeichenhafte Form, welche man beim Einstecken der Palmruten in denAcker bildet.

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Daß in der Gottschee die Palmen in solch starkem Ausmaß( 34 der befragten Ort-schaften) zu Sonnwend in den Acker kommen, ist gemessen an den österreichischenund deutschen Bräuchen- ungewöhnlich. In Österreich sind die häufigsten Tage Palm-sonntag, Karfreitag, Karsamstag und Ostersonntag. Daneben gibt es auch einige andereTage. In Südtirol zeichnen sich klare Landschaften ab, wo die Palmen nach der Weihesofort ins Haus kommen und wo sie zunächst noch eine Zeit im Freien meist nahe demHause aufgesteckt werden. Darüber konnte ich auf Grund meiner eigenen Aufnahmeneine Reihe noch unveröffentlichter Verbreitungskarten entwerfen. Die Zeit schwanktzwischen Gründonnerstag und Christi Himmelfahrt. In der Steiermark erfahren wirsogar aus einigen Orten, daß Palmen zu Dreikönig im Schnee auf die Felder gestecktwerden, 49was im Ackersegnen einiger weniger Gottscheer Nachrichten ein gewisses

49 Wernersdorf, Leutschach, Langegg.

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