nicht herbeigewünscht, sondern abgewehrt werden soll. Und genau das kommt in einigenwenigen Nachrichten vor, welche über den Sinn solcher Zeichen überhaupt etwas aus-sagen. In Südtirol fand ich es als Ackerzeichen mit der Angabe, es schütze vor Hagel!Das könnte Zufall sein, denn alle die heiligen Zeichen im Acker zielen auch auf solchenSchutz. Weniger naheliegend ist ein anderes Beispiel, das E. Burgstaller fand. 40Unter den vielerlei Gebildbroten, die zu Weihnachten als Elementeopfer gebacken wer-den, befand sich in Klaus am Pyhrn( Oberösterreich) auch die gleiche vereinfachteSechssternform, und zwar ebenfalls gegen den Hagel. Dazu kommen aus den bishernoch unveröffentlichten Fragebogenantworten der niederösterreichischen Brauchtums-aufnahme Glossar ::: zum Glossareintrag aufnahme, die H. Fielhauer in Zusammenarbeit mit dem NiederösterreichischenHeimatwerk durchführte, zwei weitere Belege. In Schrems werden zu Ostern zwei,, Brandhölzer" vom Karsamstag schräg als Malkreuz in den Acker gesteckt und in dieMitte aufrecht ein Palmreis. Abermals die gleiche Figur, die durch eine beigegebeneZeichnung gesichert ist. Und das gleiche berichtet der Ort Schweiggers. In den Frage-bogenantworten des„, Atlas der deutschen Volkskunde" aber findet sich noch die Angabeaus St. Andrä bei Villach( Kärnten): ,, Wird Getreide am Branterboden gebarnt, so kom-men je drei Zweige( vom Palmbuschen) in Kreuzform unter jeden Stock gelegt." DieZeichnung dazu zeigt wieder die Sechssternabkürzung.
Ob wir in diesen Beispielen, zu denen sich wahrscheinlich bei gezieltem Fragen nochweitere finden ließen, Zusammenhänge mit den alten Sinnbildern erblicken dürfen, dieschon in den Runen enthalten sind, wird sich kaum sicher entscheiden lassen. Die Wissen-schaft ist hier heute eher zurückhaltend. Merkwürdig sind diese Übereinstimmungen aberdoch. Sie stehen auch nicht für sich allein. Z. B. fand ich in Siebenbürgen wie in Süd-tirol auch andere runenförmige Zeichen im Zusammenhang mit der Ackersegnung. InBeharrungsgebieten an den Rändern des deutschen Sprachraumes wären Altformen inungebrochener Überlieferung nichts Ungewöhnliches. Schließlich lebte in der Gottscheeja auch noch bis in unsere Zeit der Glaube an das Erscheinen der Schicksalsfrauen bei derGeburt eines Kindes, die den Moiren, Parzen und Nornen entsprechen, durch ihrenNamen ,, Schöpferlein" aber als deutsche Eigenüberlieferung ausgewiesen sind. In mittel-hochdeutscher Zeit war er noch im deutschen Binnenland vorhanden, heute nur noch beiden Gottscheern.
9. Abwehr, Ackerkrönen
Der Schutz des Ackers richtet sich nicht nur gegen Unwetter, sondern auchmancherlei andere bedrohende Einflüsse. Neben den„ positiven" Handlungen desSegnens stehen auch solche der ausgesprochenen Abwehr. Dazu gehört es, die Feldergewissermaßen zu begen". Schon die umkreisende allgemeine Flurprozession hat solcheEigenschaft. Daneben gibt es aber auch Einzelhandlungen wie in Morobitz. Dort gingman am Pfingstsonntag mit fünf am Ostersonntag geweihten Eiern und einer Palmrutevor Sonnenaufgang entlang der Grenze der ganzen Gegend. An fünf Stellen wurden diegeweihten Eier in die Erde gelegt. Die Rückkehr mußte wieder zum Ausgangspunkt er-folgen, also den Kreis schließen.„ Dann kam der Hagel nicht hinein in die Felder." DieGehrichtung ist dabei jene des Sonnenlaufes.
Dies ist nicht vereinzelt. In Mösel nahm man am Karfreitag vier Eier und ging umden Zaun des Dorfes herum. In jeder Himmelsrichtung grub man ein Ei in Felder undWiesen außerhalb des Zaunes ein gegen die Unwetter. In Koflern litt man unter häufigenSchauerwettern. Ein Schutzmittel war, drei Eier, die von schwarzen Hennen am Kar-freitag gelegt worden waren, am Ostersonntag auf drei Seiten der Grenze gegen das
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40 Atlas von Oberösterreich, 2. Lieferung, Linz 1960. Kommentarband, S. 178 und Abb. 86.