leichter herzustellen als das gerade Kreuz, wo man die beiden Teile zusammenbindenmuß oder den aufrechten Teil spalten und den anderen durchstecken. Gleichwohl dürftentechnische Gründe zur Erklärung nicht ausreichen.
Man kann feststellen, daß beide Kreuzformen gleichwertig sind und miteinanderwechseln. In Südtirol z. B. fand ich am gleichen Ochsenjoch des öfteren drei Kreuze ein-geschnitten, darunter auch in der Mitte ein gerades und rechts und links ein schräges.Oder es waren nur schräge Kreuze, was besonders beim Beschreiben der Haustüren mitgeweihter Kreide zu Dreikönig in Tirol häufig ist. Auch in der Gottschee stehen beideFormen nebeneinander, z. B. in Ebental bei den zu Dreikönig an die Türe genageltenPalmkreuzchen. Eindeutig ist aber auch beim liegenden Kreuz ein heiliges Zeichengemeint.
Das schräge Kreuz finden wir in der Gottschee noch auffällig oft in sicher sinn-bildlicher Verwendung. So beim Abwehren eines Unwetters, wenn zwei Gegenständeübers Kreuz vor die Haustüre gelegt werden( vgl. Abschnitt 10). Besonders bedeutsam istdas Ziehen zweier schräg gekreuzter Furchen über den Acker in der Absicht, eine be-stimmte Wirkung hervorzurufen( vgl. Abschnitt 11).
Will man versuchen, auch noch andere Sinngebungen als jene des Andreaskreuzesfestzustellen, so drängt sich die Verwendung des liegenden Kreuzes in der Mathematikauf, wo es für die Multiplikation steht, also eine Vermehrung, Vervielfachung. Es findetsich ferner im Runenalphabet zur Bezeichnung des Buchstabens„ G". In den Runen-liedern sind uns für die einzelnen Buchstaben Namen überliefert, die gleichzeitig eineErklärung beinhalten. Wir können sehen, daß mit diesen Zeichen auch Vorstellungen ver-bunden waren, sie waren mehr als bloße Lautbezeichnungen. In den Runenliedern trugder Buchstabe" G" den Namen„, Gabe". Von hier aus ließe sich eine Gedankenbrückezum reichlichen Ertrag, Vermehrung schlagen. Ganz abwegig sind solche Gedanken nicht,denn die liegende Acht als Unendlichkeitszeichen in der Mathematik kehrt z. B. auch imvolklichen Sinnbildschatz wieder, wie es scheint in einer ähnlich zu deutenden Symbolik.
Das zweite Zeichen, das wir aus der Gottschee allerdings nur in zwei Belegen an-führen können, ist das schräge Kreuz mit dem aufrechtstehenden Stab in der Mitte. Einlanger senkrechter Stab mit einem kleineren Schrägkreuz oben könnte eine Vereinfachungdes griechischen Christusmonogramms sein. In der Gottschee handelt es sich aber offen-bar um gleichlange Stäbe. In dieser Form ist das Zeichen bekannt als eine Abkürzung desSechssternes, der zu den beliebtesten Volkskunst- und Sinnbildmotiven gehört.
Auch dieses Zeichen findet sich unter den Runen, und zwar in einer späterenSchichte als der Buchstabe ,, H". Sein Name ist„ Hagel". Daß hier Runen vergleichendgenannt werden, hat seine Berechtigung u. a. darin, daß in den Runen der Lautschriftverschiedene vorrunische Sinnbilder stecken, die ihren Symbolgehalt sichtlich auch nochim neuen Zusammenhang besaßen. 39 Die Anordnung der Zeichen in dem von unseremAlphabet so auffallend abweichenden germanischen ,, Futhark" zeigt, daß hier die Buch-staben jeweils dem Sinn nach aufeinanderbezogene Paare bilden. Auf die Hagel- Runefolgt z. B. die ,, N"-Rune, welche den Namen„, Not" trägt. Der Sinn ist leicht verständ-lich: auf Hagelschlag folgt Not. Auf die„ Gabe"-Rune folgt die Rune ,, W", die denNamen ,, Freude, Wonne" trägt. Diese und die anderen sinnverbundenen Paare zeigen,daß es sich bei der Anordnung und Namengebung nicht um Zufälle handelt.
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Der ,, Hagel" Name dieses runischen Zeichens gibt noch etliche Rätsel auf. Zunächstist es klar, daßdieseswenn das Zeichen mit dem Unwetter in Beziehung steht39 F. Krause, Was man in Runen ritzte, Halle 1935; H. Arntz, Handbuch derRunenkunde, 2. Aufl., Halle 1944.
3 Wolfram
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