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Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
Entstehung
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Altlag:Mit Fisolen ein Kranzle und ein Kreuz hinein setzen. Das macht man nicht nur aufeinem Acker, sondern auf mehreren auch. Es war für ein gutes Jahr. Wenn man amEnde des Ackers einen Kranz gesetzt hat und alle Fisolen sind aufgegangen, dannheiratet eine. Ein zweiter Gewährmann aus dem gleichen Ort sagte zum Kreis mitdem Kreuz darin: Es bedeutet Gottes Segen gegen Unwetter.

Grafenfeld:

Viele haben mit Fisolen ein Kranzl gesetzt und ein Kreuz hineingegeben. Das machtman nur mit niederen Bohnen. Man setzt es am Ende eines Ackers beim Weg. Oftwird das Geweihte( zu Sonnwend) da hineingesteckt. Bei Buschbohnen wird auf daseine Eck ein Kreuz angesetzt und auf das andere ein Herz. Bei Maisfeldern machtman an der Straßenseite Fisolenkränzchen. Oft geschah es, daß diese von boshafterHand zerstört wurden.

Gehag bei Tschermoschnitz:

Beim Bohnensetzen und überall im Acker beim Weg ein Kranz gemacht auf derErdn und daneben zu Johannes dann ein Stangerl aufgesteckt( am 24. Juni abends)und daran ein wirklicher kleiner Kranz aufgehängt. Auch Kreuze hat man gemachtund Herzen von niederen Buschbohnen. Es ist wie ein Segen dabei.

Rieg, Wetzenbach:

Wo Mädel ein Kränzchen einsetzen bei den Bohnen, bedeutet es, daß es nichts wirdmit einer Heirat, wenn etwas davon herausgerissen wird.

Reichenau:

Ein Kreuz oder Herz oder Viereck gesetzt. Wenn nichts davon ausbleibt, wird sie indem Jahr heiraten. Die Madln haben das meist gesetzt.

Göttenitz:

Man hat im Acker einen Kreis gesetzt mit Bohnen. Es sollte nicht ruiniert werden,aber es hat doch immer wieder einer einmal etwas davon herausgerupft. Wenn einTor im Kranzl war, dann gab es kein Brot, der Kranz muß ganz bleiben.

Dem braucht nicht viel hinzugefügt werden. Bemerkenswert ist das Gewicht, das aufdie Unversehrtheit des Ringes gelegt wird, den man in den Acker zeichnet. Der Deutungals Heiratsorakel steht die wahrscheinlich ursprünglichere gegenüber, daß sonst die Ernteausbleibt: ,, dann gab es kein Brot". Auch das ist ein Beweis für die einstige Wichtigkeitdieser Zeichen. Es sollte nach diesen neuen Funden nun auch im übrigen deutschenSprachraum planmäßig nach solchen Dingen gefragt werden. In Österreich konnte ichauch außerhalb von Südtirol bereits eine ganze Menge von Belegen finden, die allerdingsdie Vielfalt der Inhalte in den Rückzugsgebieten Südtirol und Gottschee nicht erreichen.

7. Feldmessen, Prozessionen

Zum allgemeinen bäuerlichen Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum gehören die kirchlichen Segensmittel: Feld-messe, Flurumgänge, Prozessionen, Wettersegen und Besprengen des Ackers mit Weih-

wasser.

Diese Bräuche setzen mit dem großen Auferstehungsfest und dem Wiedererwachender Natur zu Ostern ein. Hierher gehören schon verschiedene Handlungen am Karfreitagund Karsamstag. In mannigfachen Bezug zum Gedeihen alles Lebendigen auf dem Hofewerden auch die Palmruten, Osterfeuer und das Ostergeweihte gesetzt, worüber imKapitel über die Osterbräuche berichtet werden soll.

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