Früchte ober der Erde haben. In Verdreng erfuhr ich jedoch, daß man Bohnen am Vor-mittag setzen muß( also wenn die Sonne noch im Aufsteigen ist), dann treiben sie höher.Ähnliches hörte ich aus Mairle. In Lienfeld mußte man zu Mittag beim höchsten Standder Sonne setzen. 30 In Mairle durfte man außerdem vom gleichen Samen nicht noch fürein anderes Feld nehmen, sondern mußte einen anderen Samen benützen.
6. Ackerzeichen
Am Schluß der Ackerbestellung werden sehr oft noch Zeichen in den Boden ge-macht. Auf diese meist übersehenen Handlungen stieß ich zuerst bei meiner Brauchtums-aufnahme Glossar ::: zum Glossareintrag aufnahme von Südtirol. Diese Zeichen haben Sinnbildcharakter, das geht aus den TirolerBeispielen zweifelsfrei hervor. Dort sind zwei Schichten zu beobachten, eine Gruppe vonZeichen mit kirchlichen Symbolen wie die Namensabkürzungen Christi und Mariens,und eine andere Gruppe von Sinnbildern aus dem volklichen Überlieferungsschatz. 31 DieZeichen werden dort entweder in den Boden eingedrückt, oder man verdeutlicht sie undverleiht ihnen längere Dauer, indem man in die Vertiefungen Samen einer anderen Fruchtsehr eng setzt, so daß sie auch nach dem Aufgehen sichtbar bleiben. In der Gottschee istdas letztere der Fall.
Bei meiner Befragung fand ich bisher in 19 Gottscheer Orten solche Zeichen, 32 in14 Orten 33 waren sie unbekannt und in einem( Katzendorf) war nur noch eine unbe-stimmte Erinnerung an sie vorhanden. Die räumliche Verteilung ergibt keine besonderenAussagen, nur im Südostteil der Sprachinsel scheinen die Ackerzeichen zu fehlen. Hierist Mairle am äußersten Rande des Gebietes der bisher einzige Beleg.
Die Hauptmasse der Zeichen sind Kreise, meist„ Kranzl" genannt, Herzen undKreuze. Dazu kommt in Reichenau noch ein Viereck, in Ebental der als Lebensbaum-abkürzung 34 bekannte Dreisproẞ( hier„ Gubl"= Gabel genannt) und in Grafenfeld,Masereben und Altlag das Radkreuz. Die drei Striche des Dreisprosses fand ich übrigensin Ebental auch über Speichertüren in das Holz eingeschnitten. In Pöllandl setzte manein Herz, flankiert von zwei Kreisen, in den Acker. Die Namen Christi und Mariensfehlen, nur in Ebental macht derjenige, der die Fisolen setzt, die Anfangsbuchstabenseines Namens in den Acker. Als Beispiele für die Überlieferung führe ich wegen ihrerWichtigkeit einige Aufzeichnungen im Wortlaut an:
Masereben:
Wenn man Hirse gesät hat, hat man auf einem Eck einen Kranz gesät und ein Kreuzhinein, oder die Anfangsbuchstaben des Besitzers. Der Buchweizen( mit dem dieseZeichen gesät werden) hat die Hirse erstickt, er ist höher und schneller beimWachsen.
Ebental:
Mit Fisolen setzt man in den Mais Kreuze oder den Namen oder drei Striche( ,, Gubl"), wo der Acker anfängt. Ein Kreuz daneben oft. Das wird mit Pferde-bohnen gesetzt. Manche versprachen sich davon noch den Segen.
30 Auf die Sonne bezüglicher Glaube beim Flachsäen: E. Riemann, Der Flachs imost- und westpreußischen Volksglauben und Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum, Jahrbuch f. ostdeutsche Volkskunde,Bd. 9, 1965, S. 94.
31 Darüber habe ich zwei bisher noch unveröffentlichte Verbreitungskarten entworfen.32 Suchen, Masereben, Göttenitz, Rieg, Wetzenbach, Mrauen, Mösel, Grafenfeld, Reichenau,Mitterdorf, Kukendorf, Ebenthal, Langenton, Warmberg, Altlag, Pöllandl, Gehag bei Tschermo-schnitz, Tappelwerch, Mairle.
33 Merleinsraut, Obergras, Masern, Unter- Loschin, Komutzen, Steinwand, Tschermoschnitz,Lienfeld, Hohenegg, Nesseltal, Buchberg bei Nesseltal, Oberdeutschau, Prerigl, Verdreng.34 Vgl. R. Bauerreiß, Arbor vitae, München 1938.
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