Bloẞe Schutzfunktion haben gewisse in den Acker gesteckte Gegenstände, welcheden ,, Bösen Blick auf sich ziehen sollen, so daß der Betreffende mit den gefährlichenAugen den Gegenstand und nicht den Acker selbst anschaut. Hierher gehören auch dieHandlungen beim Aufziehen von Gewittern.
Reine Wachstumsförderung dagegen bedeuten eine Reihe von Analogiehandlungen,welche die Höhe der Halme oder die Größe der Früchte beeinflussen sollen.
Die letzte zu besprechende Gruppe ist eine Besonderheit der Gottschee: Handlungen,durch die ein geschändeter Acker, dem dadurch Kraft und Segen entzogen sind, wiederentsühnt und fruchtbar gemacht werden kann. Hier ist eine jener Stellen, an denen mandie Tiefe der Gottscheer Frömmigkeit und Naturbeseelung erkennt, die so oft ergreifendin ihrer Volkskultur zum Ausdruck kommt.
3. Segensübertragungen auf das Saatgut zu Weihnachten und im FaschingDie hier anzuführenden Beispiele werden in den entsprechenden Abschnitten überdas Jahresbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Jahresbrauchtum im Zusammenhang besprochen. Hier sei zunächst nur auf dasGrundsätzliche kurz verwiesen.
Im Volksglauben, auch unserer Alpenländer, sind die Vorabende der drei großenweihnachtlichen Festtage( 24. und 31. Dezember, 5. Jänner) von besonderer Bedeutung.Die Gottscheer nennen sie auch ,, die drei Weihnachtsnächte". An ihnen werden Handlun-gen dreimal vollzogen, die dann in ihrer Gesamtwirkung für das ganze Jahr gelten, wiedas Räuchern und Besprengen aller Räume des Anwesens mit Weihwasser.
Die Stube des Bauernhauses beherbergt einen heiligen Platz. Das gilt für den ganzenBereich der nordeurasischen Völker. 28 In Österreich ist es nicht nur der von PeterRosegger treffend so genannte„ Herrgottswinkel", der kleine Hausaltar in derHinterecke des Raumes gegenüber der Eingangstüre und schräg gegenüber dem Ofen. Erbefindet sich genau in der Ecke, direkt unter der Stubendecke und besteht meist ausKruzifix, Heiligenbildern und gerne noch etwas Grünschmuck. Dorthin kommt auchetwas vom gesegneten Palmbuschen. Von der Stubendecke hängt oft auch eine kleine ge-schnitzte Heiligengeisttaube. In dieser Ecke steht auch der Eẞtisch des Hauses, der ander Heiligkeit dieses Platzes teilhat. Bei unseren alpenländischen Bauern soll in derTischlade auch stets ein Laib Brot liegen, stellvertretend für das Geschenk der täglichenNahrung ,,, unser täglich Brot".
Dieser Tisch spielt nun in der Gottschee während der drei Weihnachtsnächte einebesondere Rolle. Was da auf oder unter dem Tisch die Nacht über liegt, gilt als ge-gesegnet. Es überrascht nicht, unter den zahlreichen Gegenständen auch eine kleine Mengeverschiedener Getreidekörner zu finden, die dann im Frühjahr unter das Saatgut ge-mischt werden und ihren Segen auf dieses insgesamt übertragen.
Der Erhaltungszustand der Bräuche ist nicht überall gleich. Auch die Gewährsleuteerwähnen nicht immer alle Einzelheiten, die ihnen zum Teil selbstverständlich sind. Des-halb sind die Aussagen über das Getreide auf dem Weihnachtstisch zum Teil unvoll-ständig. In sechs von mir befragten Dörfern gaben die Gewährsleute nur an, daẞKukuruz in diesen Nächten auf dem Tisch liege. 24 Fünf Dörfer berichteten von Schüs-seln für jede Gattung Getreide. 25 Die Orte Altlag, Steinwand bei Pöllandl, Göttenitz,
23 Vgl. G. Ränk, Die heilige Hinterecke im Hauskult der Völker Nordosteuropas undNordasiens, Folklore Fellows Communications Nr. 137, Helsinki 1949; ders.: Das Systemder Raumeinteilung in den Behausungen der nordeurasischen Völker, Skrifter utgivna avinstitutet för folklivsforskning vid Nordiska Museet och Stockholms Högskola, Bd. 2 und 3,Stockholm 1949 und 1951.
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24 Reichenau, Nesseltal, Oberdeutschau, Wetzenbach, Suchen.25 Kukendorf, Grafenfeld, Lienfeld, Mairle, Morobitz.