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Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
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dorf, die seit der Vertreibung in St. Veit a. d. Glan lebt, macht das ganz ähnlich auchheute noch in ihrer Familie, nur wird bei ihr das rechte Ohrläppchen des anderen gefaßtund gesagt ,, Heilige shalige". Der andere darf es nicht zurücksagen, wenn es der ersteschon gesagt hat. Etwa beim ersten frischen Salat des Jahres. In Obermösel galt es abernicht nur dieser Erstgabe der wiedererwachten Natur, sondern auch den ersten Erbsen,Saubohnen usf. bis zum Salat aus feingeschnittenen Krautköpfen im Spätherbst. DasWort ,, shalig" bedeutet nach P. Jonke im Gottscheerischen, als erstes Glück ankündi-gend". Auch in der Neujahrsnacht wird das Wort, shalig" im gleichen Sinne verwendet,wenn es im Kehrreim des Neujahransingens heißt:, Shalig ischt dai Nocht, dai inschWraidn hot procht"( selig ist die Nacht, die uns Freuden gebracht hat).

Im vorigen Kapitel wurde schon erwähnt, daß ,, unser täglich Brot" in der Gottscheekeine Selbstverständlichkeit war. Bis ins 19. Jahrhundert war es aus Getreidesorten, wel-che kein Schneiden des Brotes erlaubten, sondern nur ein Brechen. Es war aus Spelten( Dinkel). Diese Frucht nannten die Gottscheer ,, Weizen". Wenn man in alten Quellenfindet, daß die Gottschee einst eine starke Ausfuhr von Weizen hatte, so darf mandaraus nicht auf früher herrschende bessere Verhältnisse schließen. Es war nicht der,, rechte Weizen", wie die Gottscheer unsere Frucht dieses Namens nennen, sondernDinkel. Übrigens nannte auch schon eine Gottscheer Urkunde von 1770 den Dinkel aus-drücklich ,, Weizen".

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Der Dinkel ist eine besonders harte und widerstandsfähige Getreidesorte. Er ist sehrniedrig und hat solche Grannen, daß sie bei manchen Scherzbräuchen beim Halsehineingesteckt am Körper hinuntermarschieren und nicht mehr herauszuholen sindwegen der Widerhaken. Neben dem Speltenbrot gab es noch das ,, mischochen Brot", dasaus Mais, Hirse und Gerstenmehl gemischt war. Die Hirse quillt auf und bildet einenguten Kitt für dieses Brot. Auf dem pflanzlichen Speisezettel spielten ferner Buch-weizen, Bohnen, Rüben und Kraut eine wichtige Rolle. Prof. Peter Jonke, geboren1881 in Obermösel, später Mittelschullehrer in Klagenfurt, berichtete mir aus seinerJugend, daß es damals nur wenige Häuser gab, in denen ständig Brot war. Wo sie Brothatten, da sammelten sich zur Jause die Kinder der Nachbarschaft. Sie mußten aber anOrt und Stelle aufzehren, was sie bekamen. Manche, wie die Kolmonsch- Mutter, ließensie sogar vorher dafür arbeiten.

Das ist der Hintergrund, gegen den ein Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum, wie das nun zu schildernde, ge-sehen werden muß. Nicht nur ein heiterer Schmuck des Lebens, sondern- bei aller oftanzutreffenden Schönheit der Form und einer starken Gemütstiefeein großer Ernst stand.

2. Arten der Wachstumsbräuche

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etwas, hinter dem

Der Wunsch, die kommende Ernte zu fördern und zu schützen, drückt sich inHandlungen von vielerlei Art aus:

Die nächstliegende ist Bitte und Gebet, ausgesprochen besonders bei Prozessionenund Flurumgängen.

Vor allem sucht man den Segen höherer Herkunft aber auch direkt auf Saatgutund Acker zu übertragen. Das reicht von Kontakthandlungen Vermengen gesegneterKörner mit dem übrigen Saatgut, Aussaat aus Gefäßen, die mit dem Besonderen in Be-rührung waren oder sind, Besprengen des Ackers mit Weihwasser, Aufpflanzen vonPalmruten auf dem Acker bis hin zu Symbolhandlungen wie das schützende Um-schreiten des Ackers. Auch das Eindrücken symbolischer, aber damit auch krafterfülltgedachter Zeichen an bestimmten Stellen in die Erde der Felder gehört hierher. DieseSegensübertragungen haben sowohl eine fördernde wie eine gegen alle Übel schützendeSeite, z. B. Schutz vor Hagelschlag.

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