Einzelperson auch früher schon nicht selten auch ein richtiges Handelsunternehmen mitWagentransporten, aus dem sogar große Kaufherren hervorgingen. Der Hauptstock derSprachinselbewohner blieb aber Bauern. In den Hausiererfamilien waren es die Frauen,welche inzwischen die Wirtschaft weiterführten und die alte Lebensform und die Über-lieferungen aufrechterhielten.„, Ammo"( die Mutter) hatte nach einem Gottscheer Spruchin solchen Fällen ,, drei Ecken des Hauses zu tragen".
Die Zeitwanderung der Gottscheer geschah in den Wintermonaten. Zwischen Okto-ber und März oder April waren sie unterwegs, früher kamen sie vielfach sogar erst zuSonnwend heim in festlich bekränzten Postwagen und jubelnd begrüßt von den Daheim-gebliebenen. Von ihrer Wanderung sandten die Hausierer ab und zu von ihrem Verdienstetwas nach Hause und die Freude war groß, wenn sie dann zuletzt noch einen beträcht-lichen Spargroschen mitbrachten. Grothe( S. 167) berichtet aus eigenen Befragungen inder Gottschee, daß es oft erst die Geldsendung eines Abwesenden war, welche es derMutter ermöglichte, im Winter Mehl zum Brotbacken einzukaufen. Auch ihre Häuserkonnten sie durch den Winterverdienst instandsetzen und ausbauen.
Gegenüber der Landwirtschaft und dem Handel hatte die Industrie in der Gottscheenur eine geringe und zeitweilige Bedeutung. Das Holz, der Hauptrohstoff der Sprach-insel, war die Grundlage zunächst einer bedeutenden familienweisen Verarbeitung. SchonValvasor( Bd. 1, S. 218) sagte im 17. Jahrhundert von den Gottscheern: ,, Sie seyndfast alle entweder Schachtelmacher, Teller- und Schüsseldrechsler, Löffel-, Reiter- undSiebmacher... und wird ihre Machwerk weit verschickt." Eine Besonderheit sind diehölzernen Trinkfäßchen der Gottscheer, die sogenannten„ Putscherlein", von denen um1900 noch rund 10.000 im Jahr erzeugt wurden. 20
Sägewerke entstanden erst seit dem Bahnbau. 1843 richtete ein Gottscheer eineLodenfabrik ein, nach Vorbildern, die er auf seiner Wanderschaft in Böhmen gesehenhatte. Auch weitere Orte folgten diesem Beispiel. Der Loden wurde nach Kroatien undDalmatien ausgeführt, doch überlebte dieser Erwerbszweig den Ersten Weltkrieg nicht.Ein Braunkohlenbergbau nahe der Stadt Gottschee begann 1892, beschäftigte jedoch vor-wiegend Fremdarbeiter aus dem slawischen Umland und ging später wieder zurück. DieHauptgrundlage ihres Lebens war und blieb jedoch die Landwirtschaft bis zur Umsied-lung am Beginn der vierziger Jahre unseres Jahrhunderts.
Ehe die bäuerliche Arbeit und ihr Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum geschildert wird, stelle ich noch dieAussagen meiner Gewährsleute über Handel und Nebenerwerb zusammen. Aus ihnengeht hervor, was sie von diesen Entwicklungen im Gedächtnis behalten hatten.
4. Handel und Hausindustrie in den Aussagen der Gottscheer,, Hausindustrie war nicht so viel, weil sehr viel Hausiererhandel war. Das hatschon Verdienstmöglichkeit geboten. Die Männer haben das Geld gebracht." Damit istausgesagt, daß die Landwirtschaft meist nur dem direkten eigenen Lebensunterhalt diente.,, Mit Wiegen aus der Hausindustrie sind sie bis Karlowatz gegangen."
,, In Pöllandl war Hausindustrie, hölzerne Teller, Holzbesteck, zum Teil auch Körb-chen. Haselstöcke haben sie nach Reifnitz geführt für die Siebmacher. Für eine Fuhrevon Bündeln hat man gewöhnlich fünf Gulden bekommen. Man hat Schaufeln geliefertbis nach Deutschland und Italien schon vor 50 Jahren( Warmberg- Komutzen. EineGegend, die verhältnismäßig arm war). Von Mösel haben sie auch nach Triest Peitschen-stiele geliefert."
20 Vgl. darüber Maria Kundegraber, Gottscheer PutscherleinTrink- und Pilgerfäßchen, in: Festgabe f. L. Schmidt, Wien 1972, S. 143–154.
mittelalterliche
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