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Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
Entstehung
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Ganze Landstriche wurden entvölkert, vor allem an den Rändern der Sprachinsel. 18 DenTürkeneinfällen folgten außerdem Plünderungszüge der in den Kriegswüstungen ange-siedelten Uskoken und verschiedener anderer Kriegsvölker aus dem Südosten. Sperr-wälder, in denen nicht gerodet werden durfte, Kirchenburgen und ein System von Kreit-feuern zur rechtzeitigen Warnung suchten Schutz zu bieten.

Um der heimgesuchten Bevölkerung aufzuhelfen, verlieh Kaiser Friedrich IV. ,, inAnsehung des erlittenen Türkenruins" den Gottscheern 1492 das Privileg des Hausierer-handels ,, auf das Croatische und anderweitig hin". Dieses ,, anderweitig" reichte selbst bisin die Moldau und Walachei, doch wurden Innerösterreich und Süddeutschland zu ihremHauptbereich. 1774 gestattete ihnen Kaiser Joseph II. auch den Handel mit Südfrüchten,und der Handelsvertrag von 1785 zwischen dem Kaiser und Katharina II. öffnete denGottscheern auch die Weite des russischen Absatzgebietes.

Ursprünglich handelten die Gottscheer mit Holzwaren und Leinwand, die als Haus-industrie im eigenen Lande hergestellt wurden. Das Privileg lautete auch auf ,, Vieh, Lein-wand und anderem, so sie erarbeiten"( also wohl auch Holzgegenstände). Dies wurdejedoch wenig lohnend. Eine große Erweiterung bedeuteten die Südfrüchte, die in Fiumeoder Triest eingekauft und dann weiter vertrieben wurden. Bei den Südfrüchten erlangtendie Gottscheer fast ein Handelsmonopol. Nicht wenige gründeten sogar Firmen undgroße Handelshäuser in den Zielorten ihrer Wanderschaft und verblieben dort. Mit derursprünglichen Heimat gaben sie die Verbindung aber nie auf, etliche halfen ihr sogardurch große Stiftungen.

Da moderne Handelsformen dem alten Hausiererhandel immer mehr Boden ent-zogen, vollzog sich eine neue und letzte Wandlung dieser Erwerbstätigkeit. Mit einemsogenannten, Bauchladen", einem an einem Tragriemen umgehängten Korb voll Süd-früchten, Sardinenbüchsen, verzuckerten Früchten usf., zogen sie von Gasthaus zu Gast-haus. Man konnte diese Dinge entweder direkt kaufen oder um sie spielen. Man setzteauf gerad" oder, ungerad". Je nach der Nummer, die man zog, hatte man gewonnenoder verloren. Diese ,, Gottscheaberer" waren noch in der Zwischenkriegszeit unseresJahrhunderts auch in Wien bekannte Gestalten des Volkslebens.

Die Zahl der Männer, welche auf diese Weise in der Winterszeit unterwegs waren,wenn die Feldarbeit ruhte, schwankte sichtlich zu verschiedenen Zeiten. Sie war nichtunbedeutend, 19 und mit ihnen kam eine gewisse händlerische Unternehmungslust, Beweg-lichkeit und Wanderfreude in die Bauernbevölkerung. Das wirkte sich sichtlich auch beider großen Amerikaauswanderung aus. Der Gottscheer konnte sich rasch auch fremdenVerhältnissen anpassen. Gleichwohl hing er unverbrüchlich und mit voller Sehnsuchtnach der Geborgenheit im notgedrungen starken Gemeinschaftsleben seines Dorfes an deralten Heimat, wo immer er auch Fuß faßte. Heute, in der Zerstreuung nach dem Endeder Sprachinsel ist das auch nicht anders. Im Landsmann" lebt ihm die Heimat, woimmer er sich befindet. Beachtlich aber, wie gut sich das Bauernvolk alsbald auf völligandere Berufe umzustellen vermochte. Übrigens erwuchs aus dem Wanderhandel der

18 Valvasor( Anm. 15) Bd. 3, S. 199 sagt dazu: Im Jahre 1469, da der TürckischeBasse... den ersten Einfall in Crain gethan, und zwar kurz vor Johannis, hat auch diese Graf-schafft seine Wüterey gewaltig empfunden, und was die Räuber nicht mitgenommen, solchesguten Theils den Flammen zum Raube lassen müssen. Der Feind zündete nebenst andren Örternauch die Stadt Gottschee an, erschlug viel Leute, und nahm auch mächtig viel gefangen." 1471fielen die Türken in der Stärke von 15.000 Mann gleich dreimal in Krain ein und schleppten40.000 Gefangene fort. Allein im Laufe der nächsten 25 Jahre wurden 18 Türkeneinfälle gezählt,im Jahre 1475 in Krain über 200 Dörfer niedergebrannt und wieder 20.000 Menschen ver-schleppt. Wovon auch die Gottschee immer wieder betroffen wurde. 1501 befestigten sie ihrenHauptort mit Mauer und Türmen. Im Lande wurden ,, Tabore" errichtet, befestigte Türme mitVorratskammern und eigene Taborhüter zur Beaufsichtigung.

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19 Um 1860 waren 500-600 unterwegs, das sind etwa 7% der Männer.