Druckschrift 
Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
Entstehung
Seite
15
Einzelbild herunterladen
 

I. Die Gottscheer und ihre Lebensgrundlagen

1. Das Land

Herkunft, Umwelt und Schicksal prägen das Bild einer Menschengruppe. Zumalwenn sie wie die Gottscheer im Mittelalter( etwa ab 1330) in einer so gut wie nochunbesiedelten Urlandschaft 10 des bewaldeten Karstes zwischen den Alpen und denDinarischen Kalkbergen Fuß faßten und hier eine neue Heimat aufbauten. Woher siekamen war früher umstritten und vielen Gängen der Phantasie ausgesetzt. Heute wissenwir vor allem durch die Sprachwissenschaft, daß ihr Kern offenbar aus dem osttirolisch-kärntnerischen Grenzgebiet stammte. Das Grafengeschlecht der Ortenburger, das damalsüber diese Lande gebot, brauchte von seinem Kärntner Stammsitz bei Spittal an derDrau aus nicht weit nach Neusiedlern für das Erschließen der Wildnis zu suchen. Dersprachliche Herkunftsbefund wird auch durch Ergebnisse der Volkskunde gestützt. Zuzuggab es aber sichtlich auch von weiter her. Familiennamen deuten auch auf Schwaben undweiter nördlich in Deutschland.

Stürme der Geschichte nagten am neugewonnenen Lande, Außenbezirke gingen vorallem durch die Verheerungen der Türkenzeit verloren, der geschlossene Kern der Sprach-insel behauptete sich aber durch 600 Jahre. Das ermöglichte in besonderem Maße das

Land.

Die ganze Gottschee hat etwas von einer Bergfestung an sich. Ein Hochland, dasdurch verkehrshemmende Hindernisse fast nach allen Seiten hin abgegrenzt wird. Amschroffsten im Westen und Süden durch die tiefeingeschnittenen Talschluchten der Kulpaund Tschabranka. Aber auch im Südosten, von dem nur 156 m hoch gelegenenTschernembl im milden Weißkrainerland muß man mehrere hundert Meter emporsteigen,um die Abdachung des Gottscheerlandes oberhalb von Maierle zu erreichen. Eigentlichführen nur Paßwege zwischen Bergschwellen auch an den anderen Zugängen ins Innereder Sprachinsel, die allenthalben von Waldriegeln und Höhenzügen abgeschirmt ist.Darunter Wälder von mächtigen Ausmaßen wie der stellenweise noch halb im Urzustandbefindliche Hornwald, der im Winter die Dörfer oft monatelang voneinander trennte.Selbst die Siedlungsböden der Gottschee weisen Höhenlagen zwischen 400 und 800 mauf, überragt von langgestreckten Bergrücken, deren höchster Gipfel bei 1300 m liegt.

=

Das Landesinnere ist deutlich gegliedert. Drei Gebirgszüge streichen von Nord-westen nach Südosten: der Hornwald, der Friedrichsteiner Wald und der GöttenitzerBerg. Eingelagert sind in der Mitte zwei große Talböden zu beiden Seiten des Friedrich-steiner Waldes der Gottscheer und der Göttenitz- Rieger Boden- und an den Außen-rändern im Osten das Pöllander Gebiet und im Westen auf bereits 750 m Seehöhe dasSuchener Hochtal. Von diesen Senken ist der Gottscheer Boden 18 km lang, das SuchenerHochtal nur 7 km. Außerdem liegen im Nordosten und Südosten verschiedene Muldenund Kessel als Siedlungshorste, die durch einzelne Höhenrücken getrennt werden. DerName ,, Walden" für den Nordostteil der etwa 860 km² großen Sprachinsel könnte auchfür das ganze Land stehen. Denn von den größeren Talsenken abgesehen, überzieht der

10 ,, quae inhabitabiles erant et incultae" heißt es in einer Urkunde von 1363. Aus diesemHochland fehlen auch alle prähistorischen Funde.

15