Der erste Tag eines neuen Jahres ist erfüllt von dunklen Ahnungen und Hoffnungen.Den bösen Mächten zur Abwehr gilt der Schuß und Peitschenknall, einer segenvollen,zukünftigen Zeitepoche der Glückwunsch und das Lied.
Von Mitternacht an bis in die Morgenstunden fanden sich einst, gelegentlich aberheute noch,„ Neujahrssänger" ein. Diese singen meist altartige Sprüche, die mit der Bitteum eine Gabe schließen. Diese Form des Neujahrssingens war im gesamten Raum Ost- undSüdosteuropas von deutschen Siedlern geübt worden. 828)
Das Neujahrssingen ist auch z. B. aus dem böhmisch- mährischen Raum bekannt undüberliefert. So zogen beispielsweise die Chorsängerknaben in Teplitz von Haus zu Hausund sangen Neujahrslieder. Um das Geld, das sie hiefür erhielten, wurde ein gemeinsamesMahl, bestehend aus Kalbsbraten und gebratenen Äpfeln bestritten. 329) Die Neujahrs-sänger des Egerlandes führten die Bezeichnung„ Gellerer"( das Wort ist eine Ableitung vondem gellenden Gesang). Sie brachten gegen eine kleine Entlohnung ein altes Ansinge-lied 330) dar. Dem Wünschen wurde so viel Bedeutung beigemessen, daß es immer schonProfessionswünscher gab, die ohne Unterschied von Haus zu Haus zogen.
Solche Neujahrssänger waren oft Zigeuner Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeuner. Es gab sie auch in Böhmen. Dort zogensie schon am ersten Weihnachtstag von Haus zu Haus, über ihre Ortschaft hinaus, undsangen gegen Bezahlung aller Bewohner eines Hauses der Reihe nach„ an". Von ihnenwird erzählt, daß sie immer paarweise ausgingen, niemals einzeln oder in ungerader Zahl,denn das sollte Unglück bedeuten. 381)
Geblieben ist dann überall das allgemeine Glückwünschen in der Familie, beiFreunden und Nachbarn. In den Lagern wurden die Kinder zu ihren Paten geschickt undsagten dort ihre Sprüche auf. Dafür nahmen sie die für sie bereitgestellten Geschenkeentgegen. 332)
K. Kraushaar überlieferte uns eine allgemeine Spruchform aus dem ungarischen
Raum:
Ich wünsch a glückliches Neujahr
lang zu lewe, seelich zu sterweund de Hemmel zu erwe.
Die Antwort darauf heißt:
Ich wünsch a so viel. 333)
Ein Vergleich mit den Sprüchen im ungarischen Raum, ergab nur geringfügigeAbweichungen voneinander. Es ist zu erkennen, daß ursprünglich der Spruch an sich dawar, dann poetische Ausgestaltung erhielt, schließlich aber seine christliche Deutungfand. 334)
328) ebda Bd. II, S. 320.
Prof. Hock 1, Banat, dzt. Linz.
A. Karasek- Langer, wie 24, S. 10.
" Wir Schlesier", wie 202, S. 76.
329) Laube, Volkstümliche Überlieferungen, S. 38. Die Beispiele über solche Neujahrsbräuche ließensich beliebig fortsetzen.
330) M. Urban, Egerländer Ansingelieder( Z. f. ö. Vk., Bd. VIII, S. 189).
F. Wilhelm, Ansingelieder der„ Gellerer" an der Ober- Eger( Z. f. ö. Vk., Bd. VIII, S. 251).381) Vgl. Z. f. ö. Vk., Bd. V, S. 207.
382) R. Hartmann, Deutsche Volkskunde in Ungarn( ,, Ungarn", S. 221).
J. H. Schwicker, Die Deutschen in Ungarn und Siebenbürgen( Die Völker Österreich- Ungarns),Wien 1881, Bd. 3, S. 374.
Egerland- Jugend,„ Unser Schulungsblatt", I. Jg., Doppelheft 3/4, 1957.
333) K. Kraus haar, Sitten, wie 121, S. 27.
334) E. v. Schwartz, Neujahrswünsche aus Rumpfungarn( Deutsch- ungarische Heimatblätter).2. Jg., Budapest 1930, S. 31- 37.
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