Jesu rückte schließlich die des Herzens Mariä und Herzens Josefi zur Seite 293). SchonAnfang des 18. Jahrhunderts entstanden in Wien Bruderschaften zum heiligen HerzenMariä und zum heiligen Herzen Jesu, die wohl auch zum Vorbild für die gesamte Mon-archie wurden. Von da an können wir mit einer volkstümlichen Ausweitung dieser reli-giösen Kultsymbole rechnen, die bis zur Gegenwart andauert. Durch die Bruderschaftensind wir über bestimmte Kulte unterrichtet, denn sie sind ein Bindeglied zwischen Klerusund Gläubigen. Sie ermöglichen es, den allmählich stärkeren sozialen Faktor in der Volks-frömmigkeit zu bestimmen 294).
Besondere Verehrung wird ganz allgemein den Vierzehn Nothelfernzuteil. Speziell sind darunter jene vierzehn Nothelfer gemeint, deren Verehrung im14. Jahrhundert durch Pestseuchen und soziale Nöte aufkam und im 15. Jahrhundert imganzen deutschen Sprachgebiet, dann auch in Ungarn und in Italien verbreitet war. Oftwurde einer der Nothelfer durch einen anderen, am Orte besonders verehrten Heiligenersetzt oder als 15. Heiliger beigefügt. Die Nothelfer wurden oft mit der hl. Maria inihrer Mitte dargestellt. Ihr Kult war die Lieblingsandacht des Volkes, da sich bei ihnenalle Nöte und Anliegen aussprechen ließen 295).
Heiligenkulte können ab- und zunehmen, ja selbst aus der„ Mode“ kommen. ÄltereHeiligendarstellungen müssen oft einer neuen, stärkeren, impulsiveren Welle der Frömmig-keit weichen. So verschwand beispielsweise der Signifer sanctus Michael, der dieUngarn vom Lechfeld vertrieb und einst geradezu Nationalheros der Deutschen war 296).Der hl. Michael war als Erzengel und Himmelsfürst der, der wägen konnte, ob die Men-schen es wert waren, als Kämpfer der Kirche in seiner Schar zu stehen. Diese Stellung,sein siegreicher Kampf mit dem Drachen und seine Aufgabe als Seelenführer machten ihnzum„ Herzog" der Deutschen. Als solcher reitet er auf einem Schimmel.
Der Kreis der in Jahrhunderten verehrten Heiligen ist groß. Er umfaßt Apostel, Kir-chenfürsten, Kirchenlehrer und heilige Päpste, die zu Patronen im Berufsleben, gegenKrankheiten und Gefahren, für günstiges Wetter u. v. a. m. wurden. Von ihnen seienergänzend noch einige aufgezählt, die in den besprochenen Gebieten besonders verehrtwurden:
Hl. Ambros:
Patron der Bienenzüchter, Wachszieher, Bienen, Haustiere
hl. Andreas:
Patron der Fischer, Wetter, Gicht, Patron der Karmeliten
Patron gegen Feuersgefahr und Wasserflut, Bierbrauer, Böttcher, Hafner, Rauchfang-kehrer, Schmiede, Seifensieder, Feuerwehr, bei Brandwunden, gegen Kämpfe, Sturmund Unfruchtbarkeit der Felder
hl. Johannes d. T.:
Wegbereiter des Messias, Patron der Abstinenten, Architekten, Bauern, Färber, Gast-wirte, Gerber, Hirten, Kürschner, Maurer, Musiker, Sänger, Sattler, Schneider,Weber, Winzer, Zimmerleute, Haustiere, Lämmer, Weinstöcke, gegen Epilepsie,Furcht vor Hagel, Kinderkrankheiten, Krampf, Tanzwut
293) wie 166, S. 62.
294) H. Aurenhammer, Die Mariengnadenbilder Wiens und Niederösterreichs in der Barock-zeit, Wien 1956, S. 24.
295) G. Gugitz, Fest- und Brauchtumskalender Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumskalender, wie 216, S. 80.
G. Wimmer, wie 194, S. 372.
296) wie 166, S. 68.
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