Überall, wo Tschechen im Laufe der Jahrhunderte neue Siedlungen begründeten,nahmen sie die Verehrung ihres heiligen Königs Wenzel mit. So verehrte z. B. die einstaus Böhmen eingewanderte Bewohnerschaft in dem Ort Bori in der Bukowina den heiligenWenzel 201). Im benachbarten Schlesien waren dem hl. Wenzelslaus jedoch nur fünf Kir-chen geweiht. Hier sah man in ihm den Slawen und bevorzugte deutsche Heilige 202).
Heiliggesprochen wurde auch die Großmutter des heiligen Königs Wenzel. Die hei-lige Ludmilla war die Gemahlin des ersten christlichen Böhmenherzogs Boriwoj. Sieübte guten Einfluß auf ihren Enkel Wenzel aus, von dessen Mutter sie aus Haß erdrosseltwurde. 921 begrub man sie in der St. Georgs- Kirche auf der Prager Burg. Dargestellt wirddie heilige Ludmilla mit einer Büchse, meist mit Tuch oder Strick um den Hals 208). DasBildnis der Heiligen befand sich in zahlreichen Gnaden- und Gotteshäusern Böhmens 204).Als Namensheilige ist sie bis in die Gegenwart bekannt.
Von größter Bedeutung für das Landvolk Deutschböhmens blieb die unter den Bene-diktinern einsetzende Verehrung des hl. Jakobus. Dieser Heilige, Apostel und Bru-der des Evangelisten Johannes, wurde in Jerusalem enthauptet. Seine Gebeine brachte manim 7. Jahrhundert, nach Eroberung der heiligen Stadt, nach Santiago de Compostela inNordwestspanien. Die Wallfahrt zu seinem Grabe, die vom 10. bis 15. Jahrhundert Welt-berühmtheit erlangte, machte ihn zum populärsten Apostel. Im Abendland Glossar ::: zum Glossareintrag Abendland wurden ihmzahlreiche Kirchen geweiht 205). Der hl. Jakobus der Ältere wurde zum Patron im Kampfgegen die Mohammedaner Glossar ::: zum Glossareintrag Mohammedaner, Patron Spaniens, der Pilger, Apotheker, Arbeiter, Lastträger,Drogisten, Hutmacher, Krieger, Ritter, Strumpfwirker und Wachszieher. Er wurde vomVolk als Wetterheiliger und Schützer der Apfelernte und des Kornes verehrt 206). WieBöhmen besitzt auch Österreich zahlreiche Jakobuskultstätten. Hier gab es auch blühendeJakobsbruderschaften. Was aber die Jakobskultstätten oder den Jakobitag selbst auszeich-net, das sind vielfach die damit verbundenen Volksfeste, da Jakob allmählich zum Bauern-heiligen wurde. Nach der Volkssage hat der Heilige den Bauern, als diese den Apostelnbeim Gang durch das Kornfeld den Hut pfändeten, gelobt, ihr Kornpatron zu sein, wennsie ihm seinen Hut ließen. Seitdem sei Jakob Kornpatron und kein anderer Heiliger als ertrage den Hut. Diese Sage weist auf die Ernte hin. Der heilige Jakob ist an die Stelle eineralten Erntegottheit getreten 207). Gerade im Kirchweihbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Kirchweihbrauchtum, das der Fülle und demSegen des Sommers den festlichen Abschluß gibt, bewahrt er sich auch heute noch inLinz einen Rest seiner einstigen Rolle 208). Im Egerland wurde der Heilige auch zum Vieh-und Hirtenpatron. In alter Zeit stellten Burschen und Mädchen zu Ehren des Viehpatronseinen festlich geschmückten Baum, den„ Plozbaum“, auf. In vielen Dörfern des Egerlan-des fand zu Jakobi ein Hirtentanz statt 209). Der Jakobikirtag wurde auch im Böhmerwaldfestlich begangen. Am Morgen feierte man eine große Messe, ein Schaf oder gar einSchwein wurde geschlachtet, und abends gab es ein allgemeines Tanzfest 210).
Um die Ausbreitung der katholischen Religion in Ost- und Südosteuropa haben sichwieder die Benediktinerordensgemeinschaften große Verdienste erworben. Für das B an atund Teile des Arader- Gaues wurden im 11. Jahrhundert das Bistum Csanad gegrün-net. Der erste Bischof war der Benediktinermissionar Gerhard von Sagrede. Der Hei-
201) A. Jabkowski, Lager 55.
202) W. E. Peuckert, Wir Schlesier, Salzburg 1949, S. 55- 86.
203) O. Wimmer wie 194, S. 327.
204) J. Wenzig u. Krejci wie 185, S. 153.
205) Z. B. Oberlohma A. John a. a. O., S. 81, St. Jakobskirche in Leutschau, Slowakei.
206) G. Gugitz, Das Jahr und seine Feste im Volksbrauch Österreichs, Bd. II, S. 32 ff.
207) G. Gugitz, Fest- und Brauchtumskalender Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumskalender, Wien 1855, S. 88.
208) Vg1 Kirchweihbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Kirchweihbrauchtum.
209) Z. f. V.-K. Bd. XIV, Jg. 1908, S. 104; Bd. XVII, Jg. 1911, S. 60.
210) H. Hager, St. Martin.
48