Druckschrift 
Das ländliche Wohnhaus im Gerichtsbezirk Stainz : eine Untersuchung historischer Hausformen in der Weststeiermark
Entstehung
Seite
165
Einzelbild herunterladen
 

4.9. Die Gänge

Viktor von Geramb bezeichnet das" Gangl" als" eine Eigen-tümlichkeit dieses(= des weststeirischen, d. Verf.) Hauses, diean seiner äußeren Ausgestaltung auffällt". Er vergleicht es mitdem" Brückl" des Ausseerhauses und führt es auf die häufige Hang-lage der weststeirischen Häuser zurück. Geramb schreibt weiter:" Das' Gangl' setzt sich aus einem wirklichen, balkonartig schma-lem(!) Gange, welcher um eine oder mehrere Seiten des Hausesläuft, und aus einer verbreiterten Veranda, die vor der genann-ten Eingangstür liegt, zusammen und wird von Holzsäulen getra-gen.

1

Die von Geramb beschriebene Form des Gangls ist allerdingsauf die Berggebiete und teilweise auf ihre Ausläufer beschränkt,während die Häuser der Tallagen und des Hügellandes wesentlichseltener mit Gängen und schon gar nicht mit der von Geramb vor-gestellten Form ausgestattet sind.

Schmale Gänge im Wohngeschoß, die meist nur an der Traufsei-te, seltener an Trauf- und Giebelseite zu finden sind, gibt esim Untersuchungsgebiet nur an 8,5% aller Häuser. Diese Gängesind außerdem hauptsächlich im Gebiet westlich von Stainz zu fin-

den( s. Tab. 6). Die bei Bünker2 gebrachten Beispiele in derGegend von Köflach weisen großteils Gänge im Wohngeschoß auf.Nicht zuletzt weist auch das schon mehrfach zum Vergleich heran-gezogene Wohnhaus Groß- Schrotter aus Eggartsberg bei Geistthalin der östlichen Hälfte der Talseite des Haupttraktes und am

Quergiebel einen solchen Gang auf. 3 Die Gänge des Wohngeschossessind also ein Spezifikum der Berggegenden, das nur selten im Hü-gelland zu finden ist, auch wenn hier gleichfalls Hanglagen derHäuser häufig sind. Beim einzigen erdgeschossigen Gang der KGTobisegg handelt es sich zudem nicht um die hier besprochenenHolzgänge an Block- oder Gemischtbauten, sondern um einen trauf-seitigen Bogengang an einem Mauerbau, wie er hauptsächlich in der

1 v. v. Geramb, Bauernhaus, S. 255.

2J.R. Bünker, Köflach, Nr. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 8, 9, 13, 16.

3 Vgl. V.H. Pöttler, Groß- Schrotter, S. 39, Z. 1 und S. 43, Z. 6, 7.

165