GESCHICHTE UND ENTWICKLUNG DER TRACHT IN TIROL
Von Herlinde
Menardi
Meine Ausführungen beschäftigen sich mit dem Wandel in derbäuerlichen Kleidung, der sich bis zur 2. Hälfte des 18. Jahrhundertsin größeren Zeitabständen und in der Folge in immer kürzeren Ab-schnitten vollzog.
Tracht kommt von tragen und meinte durch Jahrhunderte die Be-kleidung generell. Das 19. Jahrhundert, vor allem die Zeit der Ro-mantik mit der Entdeckung des Volkes und seiner Ausdrucksformen,erfand den Begriff der Volkstrachten für die bäuerlichen, buntenFesttagskleider, die zu diesem Zeitpunt z. T. gar nicht mehr ge-tragen wurden. Von daher stammt auch das Denken in Trachtenland-schaften und aus dieser Sicht wird heute die Tracht vielfach immernoch verstanden.
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Ich möchte im folgenden eine Entwicklung der bäuerlichen Kleidungin Tirol anhand von bildlichen und schriftlichen Zeugnissen sowievon Originalbeständen aufzeigen- eine vollständige Darstellung istsicher nicht möglich und wird auch nicht versucht. Fallweise wirddie Alltagskleidung- die Quellenlage ist hier viel schlechter als beider Festtagskleidung in die Betrachtung miteinbezogen. EinSchwerpunkt liegt sicherlich auf der Zeit von 1880 bis heute mitden Änderungen der Tracht, sowohl in Material, Form und Aussehenals auch mit den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischenÄnderungen. Ich möchte mein Thema nicht eng gefaßt wissen, ichbeziehe auch jenen ländlichen Bekleidungsstil ein, der von der Stadtals bäuerlich empfunden wird, sich z. B. auch in der Bezeichnung" Bäurisches Gwand" ausdrückt.
Aus vorerst einfachen und zweckmäßigen Gewandformen, die seitdem Mittelalter allen Bauern in Mitteleuropa im großen und gan-zen gemein waren, entwickelten sich mit wachsendem Standesbe-wußtsein und Wohlstand im 18. Jahrhundert landschaftlich unter-schiedliche Trachten. Mit aufblühendem Handel und Gewerbe wurden
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