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Kleidung - Mode - Tracht : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1986 in Lienz
(Osttirol)
Entstehung
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gültig zum ökonomischen Sexus wandelt, wo mit dem Durchbruchder kapitalistischen Produktionsweise eine neue Art von Lebewesenentsteht: die Produzierenden einerseits und die Reproduzierendenandererseits, zu denen die neue Apartheid Frau zählt( 12). Nun stehtder Mann für Vernunft, Eigenständigkeit, Dynamik, Stärke undKraft; er ist stark im Handeln und Befehlen. Die Frau verkörpertGefühl, Sittlichkeit und Geborgenheit; ihre Stärke liegt im Dulden,Empfinden und Gebären. Gerade die Kleidungsvorschriften erwiesensich jetzt, ab dem 19. Jahrhundert, als das geeignetste Podium, umdie Strukturen zur ungleichen Zweigeschlechtlichkeit zu inszenierenund zu fixieren. Bis dahin bot die Kleidung sowohl in Farbe alsauch in den Materialien ein einheitliches Bild, sie folgte den glei-chen Gesetzen.

Während das männliche Äußere nun mit Leistungen und Geist asso-ziiert sein wollte und sich dabei von jeglicher Körperlichkeit distan-zierte, indem es sich mit einer Art Uniform aus grauem Anzug undweißem Hemd umgab, wurde umgekehrt das Weibliche zur Darstel-lung der Körperlichkeit schlechthin. Die weibliche Erscheinung, dasweibliche Äußere repräsentiert ab nun nicht nur das" schöne Eigen-tum" sondern offensichtlich auch das Abgespaltene und Unterdrücktedes männlichen Wesens: Weiblichkeit als Projektion männlicher Phan-tasie und Darstellungsfreude. Der Mann darf sich nun, will er ernstgenommen werden, Buntheit nicht mehr leisten. Was ist gewordenaus der für Frauen und Männer gleichermaßen gültigen Dekorations-und Darstellungslust, wie sie noch bis ins 18. Jahrhundert zum Aus-druck gebracht wurde? Die Farbenpracht wich einem neuen Bewußt-sein vom Ernst des Lebens und einer Einsicht von der Vergänglich-keit der irdischen Freuden. Trauerfarben und ernste Miene wurdeninszeniert- so fand auch das Bürgertum fortan seine angemesseneStimmung, die sich auf sämtliche Geschäfte und Handlungen desAlltags übertrug. Während die Männerkleidung derb, grob, alltäglichwirkt, sollen die Frauen sich zart, hell, duftig und kostbar geben.Der Mann stellt sich der technischen Welt allein, die Frauen wer-den verzierlicht und verniedlicht. Dieser bis heute gravierendstePunkt der unterschiedlichen Bedeutungsmerkmale von weiblicher undmännlicher Bekleidung bestätigt den ökonomischen Status der Frau.Sie übernahm die Aufgabe, stellvertretend zu konsumieren. Produk-tive Arbeit galt besonders für angesehene Frauen entwürdigend. Esgalt daher die Fiktion zu entwerfen, daß die Trägerin keine Arbeitverrichte sie vielmehr gar nicht verrichten könne. Arbeit und öko-nomische Leistung gehörten nicht zur" Welt der Frau". Ihre Weltsei die Hausarbeit, deren schönster Schmuck sie sein sollte. Sie soll-te die Zahlungsfähigkeit des Haushaltes zum Ausdruck bringen. Die-se Abhängigkeit bedeutet in der ökonomischen Theorie letzten Endesnichts anderes als Unterdrückung( 13).

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