KLEIDUNG ALS SYMBOL" DEMONSTRATIVEN MÜSSIGGANGES"BEI SANDLERN, ZUHÄLTERN UND ARISTOKRATEN
Von Roland
Girtler
Einleitende Bemerkungen zum" demonstrativen Müßiggang"
In seinem" Essay on Man"( 1944) bezeichnet Emil Cassirer den Men-schen als" animal symbolicum", nämlich als ein Wesen, das im Ge-gensatz zu anderen Symbole benötigt, um seine Vorstellungen undBedürfnisse in den betreffenden Gemeinschaften zum Ausdruck zubringen. Zu den wichtigsten Symbolen gehört die Kleidung, mit derder Mensch Auskunft über seinen sozialen Status oder eine bestimm-te soziale Vorstellung geben will oder auch muß( z. B. als Gefan-gener in einem grauen Drillich oder vgl. die mittelalterlichen Klei-derordnungen).
In meinen folgenden Überlegungen beabsichtige ich darzulegen, wiegewisse Leute mit ihrer Kleidung zu demonstrieren suchen, daß siekörperlich nicht arbeiten bzw. dies auch nicht nötig haben. DieKleidung wird somit zum Symbol des Müßigganges.
Es sind drei Personengruppen, auf die ich mich beziehen werde. Zu-nächst will ich zeigen, wie die Sandler Wiens( Pennbrüder, Vagabun-den) mehr oder weniger bewußt ihre ungepflegte und bisweilen zer-rissene Kleidung einsetzen, um einen entsprechenden Erfolg, wie z.B. eine Einladung zu einem Bier, zu erreichen. Als nächstes werdeich auf Kleidungsregeln bei Zuhältern verweisen, die deutlich ma-chen, daß über die Kleidung u. a. auch die Leistungskraft der Dirnedemonstriert wird. Und schließlich will ich ausführen, wie Aristo-kraten in ihren Kleidern Distanz und Zugehörigkeit zu ihrem sozialenBereich ausdrücken.
Es soll, dies ist die Absicht der Studie, dargestellt werden, daß esin wohl sehr klar von einander unterschiedenen kulturellen Lebens-
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