2. Für Knaben
Steckenpferd 91
Griechische Bezeichnung: xáλapov nepiẞvat, lat.: equitare in harundinelonga.
Schriftliche Quellen:
Plut. Ages. XXV, 5: Agesilaos liebte seine kleinen Kinder sehr und nahm anihren Spielen teil, indem er auf dem Steckenpferd wie auf einem richtigen
Pferd ritt.
Val. Max. VIII, 8 extr. 1.: Sokrates ritt gerade mit seinen kleinen Kindernauf dem Steckenpferd, als Alkibiades ihn besuchte.
Phaedr. III, 14, 1
Aelian. var. hist. XII, 15
Ein einziges Vasenbild ist bisher bekannt geworden, das dieses Spielzeugwiedergibt:
269* Vasenbild 92 in Berlin: auf einer punktierten, zwischen zweiionischen Säulen ansteigenden Grundlinie spielt ein Knabe mit seinemSteckenpferd. Sein Oberkörper und sein rechtes Bein sind von vorne ge-sehen, er bewegt sich aber nach rechts, wie sein von der Seite gesehenesvorgestelltes linkes Bein zeigt. Sein Kopf ist im Profil nach links zurück-gewendet. Er hat lockiges Haar, das bis über seine Schultern reicht. Inseiner vorgestreckten Rechten hält er eine Peitsche, während er mit derLinken an einem Riemen das vordere Ende seines Steckenpferdes hält,das nur aus einem langen, vorne leicht gekrümmten Stecken besteht, derzwischen seinen Beinen bis über die links stehende Säule reicht, wobeier diese überschneidet.
Im Gegensatz zu den ab dem 15. Jahrhundert in Mitteleuropa sehr ver-breiteten Steckenpferden, bei denen ein Pferdekopf mit dem Stecken ver-bunden war, ist hier nur ein Stecken dargestellt. Halfter und Peitschesind vorhanden. Im Bildfeld rechts oben ist eine Binde angegeben.Dieses Vasenbild zeigt nicht nur ein bloßes Nachahmungsspielzeug wieSpielzeugwagen, welche die Wagen der Erwachsenen nachahmen, sondernes ist die Wiedergabe eines Spieles der Phantasie. Hier ist dieses Spiel ineinem Naiskos wiedergegeben, der Spielende ist ein wohl bereits heroi-sierter Knabe.
Literarische Quellen:
Wagen
Philostr. Heroic. XIX, 2, p. 319 K
Arist. nub. 863, 880
Poll. IX, 168
93
91 Grasberger, Die leibliche Erziehung, S. 28 zu„ Hüpf- und Sprungspielen",ansonsten, wie z. B. RE, Spiele ,,, Nachahmungsspiele".
92 Apul., Monumenti, Annali e Bulletini, 1855, T. VI; Dar.- Slg. siehe vorneludi, Fig. 4637; Klein, Child life, Abb. XXII E, ins 4. Jh. v. zu datieren.93 Griechische Bezeichnung: áuasis
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