II. Die Darstellung von Nachahmungsspielzeug
1. Für Knaben und Mädchen
Die Darstellung von Choenkännchen
Diese Kännchen, die Choenkannen in verkleinertem Maßstab 1 sind,welche speziell für die Kinder zu ihrem Festtag am Tag der Choen ge-macht und zu diesem Zeitpunkt am Töpfermarkt 2 verkauft wurden,stellten das eigentliche Festgeschenk dar. Ihr Spielzeugcharakter ist, ob-wohl vorhanden, sekundär zum Festcharakter: das Kännchen war ebensofester Bestandteil des Festes wie der Blütenkranz 3, mit dem die Kindergeschmückt wurden. Die Gefäßform wurde dadurch bestimmt, daß amTag des Kinderfestes auch das Wetttrinken aus den Kannen stattfand 4.Da sehr viele Choenkännchen selbst derartige Kännchen wiedergeben,läßt sich der Festtag der Kinder in bezug auf dieses Geschenk einiger-maßen verfolgen:
Für die Kleinsten begann er damit, daß auch sie zum ersten Mal ein der-artiges Kännchen erhielten, und die Vasenmaler bringen die Freude derderart Beschenkten in zahlreichen Darstellungen zum Ausdruck:
Die Kännchen wurden an Knaben und Mädchen verschenkt, aber dieAnzahl der dargestellten kleinen Mädchen ist im Gegensatz zu der derKnaben gering.
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Choenkännchen 5 in Kopenhagen: nacktes kleines Mädchen mitkreuzweise umgelegtem Amulettband kriecht nach links auf ein Känn-chen zu, es hat seinen linken Arm nach hinten gestreckt.
204( 13) Choenkännchen 6 in Kopenhagen: obwohl die Känn-chen ungleich hoch sind, wirken sie wie Gegenstücke, denn der auf die-sem Vasenbild gezeigte kleine Knabe mit Amulettband ist wie das Mäd-chen mit rückwärts gestrecktem Arm, auf ein Kännchen zukriechend dar-1 Deubner, Attische Feste, S. 97.
2 Ders., S. 97, Anm. 6.
3 Ders., S. 115.
4 Ders., S. 115 unten.
5 v. Hoorn, Choes, Abb. 539= 487, Thorvaldsen Mus., h= 7,3 cm, dat. ca.420 v.
6 v. Hoorn, Abb. 538= 486, ebenda, h= 7,1 cm, dm= 6,5 cm, während dasGegenstück nur 5,6 cm mißt, beide Kännchen werden um 420 v. datiert.
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