-
ge an die Stelle des Lukas- Evangeliums, während wie unsere vorliegende ru-mänische, so auch zahlreiche andere balkanische( südslavische und griechi-sche) Versionen das geheimnisvolle Symbol des Birnblattes oder einesBlütenzweiges( seltener auch einer bestimmten Frucht)- bringen.Zwar kennt man ähnlich auf der Pyrenäen- Halbinsel das Motiv des frucht-schenkenden Baumes, 13) doch begegnet es kaum in Legendenfassung. Frei-lich wird man fragen, warum in manchen Texten die Engelserscheinung aufoder unter einem Baum( zumeist einem Lorbeerbaum) stattfindet; sicher istder Baum hier mehr als nur eine Hintergrundkulisse. Der„ Baum des Le-bens", der„, Baum der Erkenntnis“ und das„ ,, Holz des Kreuzes" 14) stehen im-mer wieder in enger Beziehung zu Leben und Tod, zu Himmel und Erde.In zahlreichen Volkserzählungen ist der Wald eine Stätte, die zum Jenseitszählt und auch in unserem rumänischen Text hat es eine tiefere Bedeutung,daß die hl. Anna in den Wald geht und auf einer Waldlichtung sich auf einenBaumstumpf setzt. Schwieriger zu deuten ist die Episode des Lesens in ei-nem Buch, das aus dem üblichen Rahmen und Schema volkstümlicher Vor-stellung herausfällt.
15)
Weiter könnte man fragen, warum es gerade ein Birnblatt ist, das hierFruchtbarkeit schenkt. Es sind verschiedene Baumfrüchte, die im Mittel-meerraum als heilkräftig oder Kindersegen verleihend gelten: Granatapfel,Apfel, Birne und vereinzelt auch Feige. Nicht immer wird die Frucht mitdem dann empfangenen Kind spezifiziert, doch gilt gelegentlich die Mei-nung, daß der Genuß des Apfels einen männlichen und der einer Birne ei-nen weiblichen Erben schenken könne. Möglicherweise klingt das auch inunserem rumänischen Text an, in dem Birnblatt und Mädchen als Beziehungaufscheinen.( In Märchen, in welchen dem Mann oder seiner Frau ein Apfelund eine Birne gegeben werden, um das Geschlecht des Kindes selbst zu be-stimmen, und in dem die Frau beide Früchte verzehrt, gebiert sie später einZwillingspärchen.)
Neben einer aus der Märchentradition stammenden Darstellung der wun-derbaren Empfängnis kennen wir jedoch noch eine weitere Deutung des ge-heimnisvollen Ereignisses. Es handelt sich um das Motiv von der fruchtver-leihenden Perle, dessen Provenienz schwer zu klären ist, das sich jedoch imchristlichen Bereich vor allem durch koptische und äthiopische Bearbeitun-gen verbreitet zu haben scheint.
16)
Uns liegt die Fassung unter anderem in portugiesischer Sprache vor- siehedie vorherige Anmerkung!- die wir im Folgenden mitteilen wollen:
( 3) ERZÄHLUNG AUS DEM PORTUGIESISCHEN
Mit der Herkunft unserer seligen und immer jungfräulichen Gottesmutter Ma-ria aber verhält es sich so: Sie entstammt aus dem königlichen Geschlecht unddem Hause Davids, das seinerseits auf die Familie Abrahams zurückgeht. DerVater der heiligen Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrau hieß Joachim und ihre Mutter Anna.
21