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Heilige Ereignisse - heilige Zeiten : Weihnachtserzählungen aus der mündlichen Überlieferung
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A. DIE EMPFÄNGNIS DER HL. ANNA

Unter den Erzählungen zum Weihnachtskreis finden sich einerseits Stoffe,die relativ einheitlich auch in weit auseinanderliegenden Landschaften le-bendig geblieben sind, sowie solche, die nur singulär auftreten. Im ersterenFalle ist damit zu rechnen, daß sie auf eine gemeinsame Quelle zurückge-hen, die in der Regel auch bereits früh schriftlich festgehalten worden ist.Von diesem nicht immer nachweisbaren- ,, Urtext" können sich freilichdie Varianten beträchtlich entfernen.

Zu jenen Themen, die fast überall beliebt gewesen sind, gehören die Dar-stellungen der weihnachtlichen Vorgeschichte, das heißt der Empfängnisder hl. Anna, oder Mariae- Empfängnis, wie das Ereignis im katholischenRaum benannt wird.

Die Empfängnis und Geburt der Mutter Christi wird in den kanonischenTexten des Neuen Testaments nicht berichtet. So mußten früh apokrypheTexte versuchen, eine Lücke zu schließen, da sich zweifellos viele Gläubigedanach gesehnt haben, etwas darüber zu erfahren. Der erste Text, der dasversucht hat, ist aller Wahrscheinlichkeit nach das sogenannte, Proto- Evan-gelium des Jakobus", 2) das von Michaelis" entstehungsgeschichtlich derzweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts zugewiesen wird, und das bereits Origi-nes bekannt gewesen ist. Erstmals werden hier auch die Namen der ElternMarias Joachim und Anna- mitgeteilt. Der Textkomplex des Proto-Evangeliums des Jakobus wurde später nicht nur erweitert, sondern auchdurch die ,, Historia Ioachim et Annae" und der vermutlich aus dem 8. Jahr-hundert stammenden Umformung Liber de nativitate Mariae" verbreitet.Es scheint, als sei das Interesse an der Vorgeschichte der Mutter des Erlösersim griechischen und darüber hinaus überhaupt im orientalischen Glossar ::: zum Glossareintrag  orientalischen- Be-reich größer gewesen als im Westen. Freilich hat auch das Motiv der hl.Anna unterm Lorbeerbaum in zahlreichen Darstellungen des Mittelaltersund der Renaissance Beachtung gefunden, doch ist zumindest heute dieseLegende in den romanischen Ländern nur mehr vereinzelt in der mündli-chen Überlieferung nachweisbar, während sie im gesamten Osten beliebtgeblieben ist.

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Je enger sich Fassungen des Stoffes an das Proto- Evangelium angeschlossenhaben, umso eher wurden sie auch in Klöstern- im Osten vereinzelt auchin Pfarrhäusern aufgezeichnet. Solche Niederschriften hatten ihre Funk-tion vor allem im Vorlesen, das heißt in einer Annäherung an die mündlicheÜberlieferung.

Wer je auf dem Balkan erlebt hat, wie aus Volksbüchern oder volkstümli-chen Textsammlungen, die oft nur handschriftlich gefaßt sind, vorgelesenwird, kann feststellen, daß der Leser seine Vorlage meist nur als Grundlagebenutzt, die er persönlich variiert, erweitert oder kommentiert.Auf der Pyrenäen- Halbinsel sind solche Rezeptionen alter Legenden vonAlcover bezeugt worden, heute jedoch fast ausgestorben. Lediglich in Non-

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