Diese spanische Fassung, die 1963 aufgenommen wurde, basiert auf einerschriftlichen Version vermutlich aus der Zeit um die Jahrhundertwende, diefast wörtlich nacherzählt wird. Sie steht dem Proto- Evangelium des Jakobusnahe, scheint jedoch auch Kompilationen aus dem Pseudo- Matthäus unddem Liber de nativitate Mariae verpflichtet zu sein. Nur aus Kleinigkeitenkönnen wir ablesen, daß es sich um keine strenge schriftliche Tradition han-delt. Im Proto- Evangelium ist die Klage der hl. Anna breit ausgesponnen³)und eher im Stil alttestamentlicher Formulierungen ausgeprägt.( ,, Weh mir!Wer hat mich gezeugt, welch ein Mutterleib mich hervorgebracht? Denn alsFluch bin ich geboren vor den Kindern Israels und bin mit Schimpf angetan,und mit Spott haben sie mich belegt hinaus zum Tempel des Herrn- Wehmir! Wem kann ich mich vergleichen?..." Über weitere 15 Zeilen setzt sichdie Klage mit einem fünffachen ,, Weh mir!" fort.)
Während es im Proto- Evangelium heißt:„ Und siehe, ein Engel des Herrntrat herzu...," finden wir die stark bildhafte Verbalisierung: ,,... se presentóante ella en el laurel un ángel..."(... zeigt sich vor ihr auf dem Lorbeerbaumein Engel...). Sie erinnert an zahlreiche volkstümliche Szenen, in denen einJenseitswesen aus einem Baum heraustritt.
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Im Gegensatz zum Proto- Evangelium" steht auch die Empfängnis unter demLorbeerbaum: du sollst empfangen und sollst gebären, und dein Samesoll in aller Welt genannt werden..." sowie auch die Verkündigung einesEngels an Joachim: dein Weib Glossar ::: zum Glossareintrag Weib Anna wird schwanger werden
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." indes
unser Text sagt:„,... ha concebido ya..."( hat bereits empfangen).Die spanische Legendenfassung deutet zumindest eine Empfängnis unter ei-nem Lorbeerbaum an, jenem Baum, der nicht nur in der griechischen My-thologie eine große Rolle spielt, 10 sondern der auch noch im Weihnachts-brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag brauchtum mancher mediterraner Landschaften Beachtung gefunden hat.Der Ausklang unseres Textes deutet bereits mit nur wenigen Worten auf dennächsten Ausschnitt hin.
Stellen wir nun dieser volkstümlichen Klosterlegende aus Andalusien einenText gegenüber, wie er in mehreren Varianten am Balkan verbreitet war,und bei dem wir feststellen können, wie stark eigenständige Vorstellungenund landschaftliche Bezüge in der Skizzierung der Umwelt auftreten kön-
nen.
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( 2) ERZÄHLUNG AUS DEM RUMÄNISCHEN
Man erzählt sich, daß Ichim( Joachim) und Ana, die Eltern der Mutter desHerrn, ein paar sehr fromme Leute waren und in Gottesfurcht lebten. Jedes-mal wenn sie in die Kirche gingen, um dort zu beten, brachten sie auch eineOpfergabe mit. Aber ihre Gabe wurde nie angenommen, weil sie keine Kinderhatten. Sie wußten das aber nicht, bis( einmal) der Heilige Geist aus dem Him-mel sich auf sie herabließ und zu ihnen sprach: ,, Ichim! Nur umsonst bemühtihr euch darum, Opfergaben in die Kirche zu bringen; denn eure Gabe wirdvom Herrgott nicht angenommen, weil ihr auch nicht ein einziges Kind habt."
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