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Wegmüssen : die Entsiedlung des Raumes Döllersheim (Niederösterreich) 1938 - 1942 ; volkskundliche Aspekte ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Schloßmuseum Gobelsburg ; mit einem Beitrag über Waldviertler Flur-, Siedlungs- und Hausformen von Ernst Pleßl und einer Beschreibung Waldviertler Hochzeitsbräuche von Adolfine Misar
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Aussiedlerkultur"- Das Nachleben in der Erinnerung

10.6. Versuche zur Organisierung der Aussiedler

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Zur Bildung einer Landsmannschaft oder eines Interessenverbandes, wie dies bei denaus den deutschen Ostgebieten Vertriebenen der Fall ist, ist es von seiten der Aus-siedler des Waldviertels nie gekommen. Erstens war die räumliche Zersplitterungnicht so groß, zweitens die Zahl der Entsiedelten zu gering. Das Wegmüssen geschahzwar unter Zwang und teilweise innerhalb kurzer Zeit, aber doch nicht unter Flucht-bedingungen.

Abgesehen von den Allerseelenfeiern in Döllersheim, die seit 1957 kontinuierlichstattfinden, gab es eigentlich über 40 Jahre lang keine größeren Versuche der Ge-meinschaftsbildung unter den Aussiedlern. Erst die bereits beschriebenen Aktivitä-ten von Elfriede Schiller haben da einiges in Gang gebracht. Über ihre in den vergan-genen Jahren zusammengetragene Adressenkartei laufen nun sämtliche Einladungenzu Aussiedlertreffen und sonstigen Gedenkveranstaltungen, und sie ist auch vielfachdie Anregerin dazu. Der persönliche Einsatz eines einzigen Menschen hat da unterden Aussiedlern ein gewisses Gruppenbewußtsein hervorgerufen und vor allem auchdie Aussiedler nach außen hin in der Öffentlichkeit bekanntgemacht.

Parallel zu diesen Bemühungen hat sich im gleichen Zeitraum, also etwa in denletzten zehn Jahren, ein weiterer Interessentenkreis um die Aussiedler entwickelt.Die Impulse dazu setzten ab 1975 ein und hängen engstens mit der Rettung der dreioben beschriebenen Bauwerke auf dem Truppenübungsplatz zusammen. Der damalsmit der Durchführung der Sanierungsarbeiten betraute Leiter der Gebäudeverwal-tung Allentsteig der Bundesbaudirektion, Heinrich Stangl, hat sich- wie er selbstformulierte in die Sache hineingegraben, und besonders die Kirche und derFriedhof von Döllersheim sind ihm ein Herzensanliegen geworden, für das er nichtnur all seine dienstlichen Möglichkeiten ausschöpfte, sondern darüber hinaus all seinEngagement, seine Freizeit und seine schöpferischen Kräfte einsetzte.

Während die Aktionen von Elfriede Schiller mehr nach innen gehen, die Emotio-nen der Menschen ansprechen wollen und auf die Bedürfnisse der Aussiedler nachBegegnung und Erinnern abzielen, auf Kontakt und Wärme, das Zusammenhal-ten der Aussiedler" und sie sich in der Funktion der Mutter der Aussiedler"- wiesie in der lokalen Presse immer wieder genannt wird- sieht, gehen die IntentionenHeinrich Stangls mehr in Richtung Öffentlichkeit und Nachwelt. Er sieht seine Auf-gabenstellung insgesamt in der Erhaltung der alten Heimat' überhaupt und der Er-haltung der Reste ihrer Baukultur" und darin, den Nachkommen zu zeigen, wie eseinmal war". Dafür möchte er die äußeren Voraussetzungen schaffen. Aufgrund derPensionierung, die ihm verschiedene öffentliche Möglichkeiten zur Erreichung sei-ner Ziele genommen hat, wurde nun aus einer losen Interessengemeinschaft, die sichum Heinrich Stangl gebildet hatte, im März 1987 ein Verein der Freunde der altenHeimat" gegründet, um die rechtliche Grundlage zur Erreichung verschiedener Zielezu schaffen. Den Satzungen des Vereins ist folgender Vereinszweck zu entnehmen:

... die Pflege der Liebe zur, alten Heimat' der ehem. Aussiedler aus dem Gebiet des Tüpl.Allentsteig( früher Tüpl. Döllersheim) unter Beachtung der geltenden gesetzlichen Bestim-mungen und Verordnungen. Damit verbunden ist auch die Pflege und Ausstattung der am13. 9. 1986 neu geweihten, Friedenskirche'( St. Peterskirche) in Döllersheim einschl. Fried-