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Wegmüssen : die Entsiedlung des Raumes Döllersheim (Niederösterreich) 1938 - 1942 ; volkskundliche Aspekte ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Schloßmuseum Gobelsburg ; mit einem Beitrag über Waldviertler Flur-, Siedlungs- und Hausformen von Ernst Pleßl und einer Beschreibung Waldviertler Hochzeitsbräuche von Adolfine Misar
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Wegmüssen

und der die Lebensgrundlage war, ist stärker als zur Wohnstätte. Die Felder, die Wie-sen, der eigene Wald, das war die eigentliche Heimat.

Trotz der Betretungsverbote und Sperrgebietsbestimmungen, die es unter derHerrschaft der Deutschen Wehrmacht und in der Besatzungszeit gegeben hat undauch heute noch gibt, besuchen die Aussiedler immer wieder ihre ehemaligen Heim-stätten oder das, was davon übriggeblieben ist.

Früher sind wir schon öfter noch hing'fahr'n mit den Radln. Jetzt ist ja schon allesz'sammgerissen. Da hat's einmal so eine berittene Gendarmerie gegeben, da hat man einenPassierschein gebraucht.

Aber's Haus, wenn man da hinein kommen ist, des war bald fremd, eine Wohnung ist baldfremd. Wir sind da so hinein bei Germanns. Da ist der Germannser Wald, zuerst der Klo-sterwald, und dann kam schon unserer, und dann sind unsere Felder anschließend. Ich habmir immer denkt, des ist, als ob man gestern dag'west wär. Die Felder sind noch so bekannt,als ob man gestern dag'west wär."

Nachträglich sind wir dann schon öfter hinunter, vor allem zum Vatern sein Grab, zu Al-lerheiligen und so. Nachher hat's dann immer schon geheißen, Vorsicht, wegen der Blind-gänger, da hat man sich dann nicht mehr recht hingetraut. Ich und mein Mann sind danneinmal hinunter, eh auf Allerheiligen, da hätten wir gern noch was gesucht, wie das früherwar und so. Wir haben den Brunnen nicht gefunden, und wir haben dies und das nicht ge-funden, weil alles mit Gras überwachsen war. Aber beim Ofen, da haben wir vier so großePflasterziegeln gehabt, die haben wir noch gefunden. Da haben wir dann gewußt, daß dader Ofen war."

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, Wir sind öfter noch außitotscht[ Anm.: hinausspaziert] nach Perweis, auf an SonntagNachmittag. Da haben uns die Russen oft aufgehalten, was du da machen. Na ja, dann ha-ben wir halt gesagt, daß hier unser Vater geboren ist. Da hast ihnen halt was erzählt. Man-cher hat's geglaubt, ein anderer nicht. Heut mußt ja schon aufpassen, daß d' nirgends hin-einfallst, ist ja alles verwachsen."

,, Wenn ich heut wo fahre, so Feldwege, beim Marterl zum Beispiel, da kann man heut nichtmehr durch. Vor einigen Jahren bin ich mit der Mutter dortgewesen.- Heuer zu Osternhaben wir die Mutter begraben. Die hat schon sehr gelitten unter all dem, ihr Leben lang.- Sie hat kaum mehr gehen können, aber sie wollte noch einmal hin. Da haben wir sie mit-genommen, mein Gott, da ist unser Haus gestanden, da war die höchste Stelle, alles warverwachsen. Alle Jahre schau ich einmal hin. Vor 15 Jahren etwa, da ist so ein Eck gewesen,da hat man die Malerei von der Stuben noch gesehen, wo wir auf die Welt gekommen sind.Damals sind ja die Kinder noch zu Hause auf die Welt gekommen."

10.2. Erinnerungsstücke

In den meisten Aussiedlerfamilien werden bis heute Erinnerungsstücke aufbewahrt,die in irgendeinem Zusammenhang zum ehemaligen Heimatort stehen. Einmal ist esein Glas, ein Krug, ein Teller mit dem Bild des Ortes oder der Kirche, wie man sieals Andenken aus den Wallfahrtsorten kennt, häufig sind es Photographien des altenHauses, die im neuen Heim, besonders gerahmt, einen Ehrenplatz einnehmen. Man-che Aussiedler ließen sich auch nachträglich nach alten Photos von Malern Zeichnun-gen und Aquarelle anfertigen und später oft- ebenfalls nach photographischen Vor-lagen Zeichnungen der bereits verfallenen Kirche des Heimatortes. Die letzten

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