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Wegmüssen : die Entsiedlung des Raumes Döllersheim (Niederösterreich) 1938 - 1942 ; volkskundliche Aspekte ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Schloßmuseum Gobelsburg ; mit einem Beitrag über Waldviertler Flur-, Siedlungs- und Hausformen von Ernst Pleßl und einer Beschreibung Waldviertler Hochzeitsbräuche von Adolfine Misar
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Wegmüssen

Durch ein Gesetz vom 17. Dezember 1964 wurde der 21 Jahre lang währende Zu-stand der Gemeindefreiheit des Truppenübungsplatzes wieder aufgehoben. Nachdeutschem Recht konnte es gemeindefreies Gebiet geben, und erst 1965 wurde dieserin Österreich gesetzlich nicht mögliche Zustand wieder behoben. Das Gebiet desTruppenübungsplatzes wurde demgemäß in die umliegenden Gemeinden StiftZwettl, Großglobnitz, Bernschlag, Allentsteig, Merkenbrechts, Winkel, Neupöllaund Franzen eingegliedert.31

Neben dem Bundesheer selbst, welches in Allentsteig Arbeitgeber für mehr alshundert Berufssoldaten und Zivilbedienstete ist, 32 ist die Heeres- Land- und Forst-wirtschaftsverwaltung Allentsteig der bedeutendste Wirtschaftsfaktor der Umge-bung. Sie beschäftigt zirka 80 ständige Mitarbeiter. Sie wird in drei AbteilungenForst-, Landwirtschaft und Pacht- geführt. Wald- und Jagdbewirtschaftung erfol-gen auf einer Fläche von ca. 5.000 ha. Sieben Reviere werden gemäß dem niederöster-reichischen Jagdgesetz als Eigenjagd vom Grundeigentümer Republik Österreich ge-nutzt. Der Waldbestand war nach dem Abzug der Besatzungsmacht, welche wildeSchlägerungen durchgeführt hatte, dezimiert. Greuelbilder für Forstwirte, wie Hun-derte ha in bequemer Höhe halbmannshoch abgeschnittener Stöcke, machten in densechziger Jahren in der gesamten Forstwirtschaft die Runde. Weite Flächen wurdendamals wieder aufgeforstet, wobei sich allerdings die Interessen der forstwirtschaft-lichen mit denjenigen der militärischen Benützer nicht immer deckten.

Zirka 2.500 ha der hauptsächlich am Rande landwirtschaftlich genutzten Flächen( Äcker, Wiesen, Weiden) werden von etwa 400 Pächtern bewirtschaftet. Angebotund Nachfrage für einen Pachtgrund halten sich die Waage. Als Pächter kommenhauptsächlich die in den umliegenden Ortschaften wohnenden Landwirte in Frage.Etwa 650 ha, vorwiegend im Inneren des Truppenübungsplatzgebietes, werden vonder Land- und Forstwirtschaftsverwaltung in Eigenregie bewirtschaftet. Angebautwerden hauptsächlich Roggen, Gerste, Hafer und Rotkleegras, welches zur Boden-verbesserung und Humusanreicherung dient. Nicht unbedeutend sind auch dieTeichwirtschaft und die Nutzung von Schotter- und Steinbrüchen. 33

9.8. Problemregion Waldviertel

Das Waldviertel steht heute insgesamt großen wirtschaftlichen Problemen gegen-über. Es befindet sich in der Situation einer peripheren Lage und weist die üblichenCharakteristika des ländlichen strukturschwachen Raumes auf: geringe Industrie-dichte, unzureichende Infrastruktur, geringe Kaufkraft, geringe Bevölkerungspot-entiale. Vor allem seit dem Rückgang der Landwirtschaft, die früher die Existenz-grundlage darstellte, ist es zu hohen Abwanderungsquoten gekommen. Die Pendler-zahl wächst, und Erwerbsquoten und Altersstruktur verschlechtern sich.

31 Merinsky, Das Ende..., a.a.O., S. 43 45.

32 Gattringer, a.a.O., S. 297.

33 Zu diesen Angaben vgl. Festschrift 30 Jahre Truppenübungsplatz...", a.a.O., S. 49.Manche Detailangaben gehen auf freundliche Auskünfte der Direktion der Heeres- Land- undForstwirtschaftsverwaltung Allentsteig im Herbst 1987 zurück.