9. Die Zeit von 1945 bis zur Gegenwart
9.1. Turbulentes Kriegsende
Die letzten Tage und Wochen vor Kriegsende gestalteten sich im Raum Allentsteig,Döllersheim, Zwettl ähnlich chaotisch wie überall. Tausende Flüchtlinge aus den öst-lichen Gebieten zogen durch oder machten auch Station, wogegen man sich zu weh-ren versuchte, da man nicht wußte, wo man die Menschenmassen unterbringen undwie man sie ernähren sollte. Unter den deutschen Truppen machten sich bereits Auf-lösungserscheinungen bemerkbar. Dabei kam es allerdings noch zu erschütterndenSzenen und sinnlosen Erschießungen durch Standgerichte, welche die Massendeser-tion mit Gewalt verhindern wollten. In den ersten Maitagen 1945, als der Tod Hitlersbereits bekannt war, erfolgte noch ein Durchhalteaufruf des Gauleiters Jury an denPlakatwänden Zwettls. Als bereits abzusehen war, daß das Waldviertel durch die So-wjetarmee besetzt werden würde, versuchten noch viele Angehörige der deutschenWehrmacht, sich in Richtung Westen abzusetzen.
Am 8. Mai 1945 erfolgte die bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches.Am 9. Mai trafen die ersten Sowjetsoldaten in Zwettl ein, die Besetzung von Stadtund Stift Zwettl war am Vormittag des 10. Mai abgeschlossen. Die Besetzung Allent-steigs erfolgte am Nachmittag des 9. Mai. Wenige Tage vorher rüstete man sich nochzur Verteidigung durch Errichtung von Panzergräben, Schützenlöchern und Panzer-sperren, die Kapitulation erfolgte dann aber ohne größere Kämpfe. Vorher hatte mannoch Munitionslager auf dem Truppenübungsplatz gesprengt.
Den sinnlosen Exekutionen der Standgerichte in den letzten Wochen vor der Ka-pitulation folgten nun weitere Erschießungen beziehungsweise Selbstmorde von Na-tionalsozialisten. Am 10. Mai wurde der Standortälteste der Kommandantur desTruppenübungsplatzes Döllersheim mit zwei weiteren Offizieren in Allentsteig er-schossen, angeblich von einer Widerstandsbewegung„ Freies Österreich“. Die Tätig-keit österreichischer Widerstandskämpfer in Allentsteig ist allerdings nirgends be-legt. Am selben Tag erschoß sich auch der Allentsteiger Bürgermeister und liquidier-te seine gesamte Familie. Auch der Gauleiter Dr. Hugo Jury setzte seinem Lebendurch Erschießen ein gewaltsames Ende, und zwar am 9. Mai 1945 in Zwettl. Derletzte deutsche Lagerkommandant des Zwettler Lagers soll von sowjetischen Solda-ten erschossen worden sein, was allerdings nicht sicher bezeugt ist. Auch der Reichs-statthalter und Gauleiter Baldur von Schirach soll sich im April 1945 eine Woche imBezirk Zwettl aufgehalten, sich dann aber noch rechtzeitig in westliche Richtung ab-gesetzt haben. Das Gebiet um Zwettl war bis zum Kriegsende von Kampfhandlun-gen weitgehend verschont geblieben und hatte sich, so scheint es, auch aufgrund dergetreuen politischen Einstellung vieler lokaler Funktionäre zu einem der letzten Re-fugien bedeutender Nationalsozialisten entwickelt.
Über die turbulenten Ereignisse bei Kriegsende und die schwierige erste Zeit da-nach, die gekennzeichnet war durch Plünderungen, Verschleppungen, wirtschaftli-