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Wegmüssen : die Entsiedlung des Raumes Döllersheim (Niederösterreich) 1938 - 1942 ; volkskundliche Aspekte ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Schloßmuseum Gobelsburg ; mit einem Beitrag über Waldviertler Flur-, Siedlungs- und Hausformen von Ernst Pleßl und einer Beschreibung Waldviertler Hochzeitsbräuche von Adolfine Misar
Entstehung
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Die Zeit von 1945 bis zur Gegenwart

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Sie mußten bis 27. Jänner 1956 eingebracht werden. Alle entzogenen Vermögen-schaften, die nicht bis zu diesem Zeitpunkt in Anspruch genommen wurden, fieleneinem Auffangfonds zu und sollten jüdischen Wiedergutmachungswerbern zugutekommen.19

Am 10. Juli 1957 trat indes das 3. Staatsvertragsdurchführungsgesetz in Kraft,welches festlegte, daß Rückstellungen nur dann zu erfolgen hätten, wenn nachgewie-sen werden könne, daß ein deutsches Gesetz bei der Entziehung mißbräuchlich an-gewendet worden sei oder daß der Eigentümer lediglich aufgrund politischer Verfol-gung zur Veräußerung genötigt worden sei. Durch dieses Gesetz wurden die für dieDöllersheimer Rückstellungswerber günstigen Bestimmungen des 3. Rückstellungs-gesetzes außer Kraft gesetzt. Das bedeutete einen schweren Schlag für viele Döllers-heimer, und es wurde und wird bis heute von ihnen als tiefes Unrecht empfunden.Daraufhin bildete sich ein Interessenverband, welcher sich in einem Schreiben am12. November 1957 an alle ehemaligen Besitzer im Gebiet des Truppenübungsplat-zes Döllersheim wandte. 20 In dem Brief wurde die nunmehr bestehende Rechtslageerläutert und dazu aufgerufen, daß man verlangen solle, daß a) von seiten des Bun-desheeres nur jene Flächen von Döllersheim in Anspruch genommen werden sollen,welche zu rein militärischen Zwecken benötigt würden, und b) daß die übrigen Ge-biete, und insbesondere die Randgebiete, an die früheren Besitzer zu tragbaren Be-dingungen verkauft oder für landwirtschaftliche Siedlungszwecke verwendet werdenmögen.

Nach 1958 wurden in den Randgebieten des Truppenübungsplatzes Gründe zurWiederbesiedlung abgegeben. Um diese Grundaufteilung, welche von der Landes-landwirtschaftskammer und der Bezirksbauernkammer durchgeführt wurde, gab esUnregelmäßigkeiten und Skandale, welche durch die Presse gingen und Schlagzeilenmachten. 21 Manche durch die Entsiedlungsaktion des Deutschen Reiches besitzlosgewordenen Bauern fühlen sich bis heute geschädigt und sind es wohl auch objektiv.In einer Ausstellung über die Ereignisse um Döllersheim vor und nach 1938, welcheauch für den Sommer 1988 in Neupölla geplant ist, sollen die Vorkommnisse um ein-zelne Rückstellungsangelegenheiten detailliert beleuchtet werden.²²

9.6. Franzen eine Ortsgemeinde wehrt sich

Der Ort Franzen war die einzige Gemeinde, die auf dem Gebiet des zu errichtendenTruppenübungsplatzes lag und die im Laufe eines zähen Kampfes dem DeutschenReich und später der Zweiten Republik wieder abgetrotzt werden konnte. Franzenlag am Rande des Übungsplatzgebietes in der letzten Entsiedlungszone. Man ver-suchte, sie zu räumen wie die anderen Ortschaften auch. Hier gab es aber Hartnäk-

19 Gattringer, a.a.O., S. 238.

20 Schreiben an die ehemaligen Grundbesitzer im Gebiet des Truppenübungsplatzes Döl-lersheim, Reitenau, 12. November 1957, gezeichnet von Ökonomierat Franz Gewessler, NotarDr. Josef Reitinger, Hieronymus Nussbaum, Marie Lentz; Privatarchiv.

21 Z.B. Kronenzeitung, 6. Jänner 1981.

22 1938 DAVOR- DANACH. Am Beispiel der Truppenübungsplatzgemeinde Pölla.Sonderausstellung in Neupölla, 29. Mai- 25. September 1988.