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Wegmüssen : die Entsiedlung des Raumes Döllersheim (Niederösterreich) 1938 - 1942 ; volkskundliche Aspekte ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Schloßmuseum Gobelsburg ; mit einem Beitrag über Waldviertler Flur-, Siedlungs- und Hausformen von Ernst Pleßl und einer Beschreibung Waldviertler Hochzeitsbräuche von Adolfine Misar
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Wegmüssen

9.4. Verwaltung durch das Land Niederösterreich 1955 bis 1957

Nach Abschluß des Österreichischen Staatsvertrages am 15. Mai 1955 begannen dieBesatzungssoldaten, die in einer Stärke bis zu 60.000 Mann in den Unterkünften undFeldlagern rund um Allentsteig untergebracht waren, den Truppenübungsplatz zuräumen. In der Nacht zum 17. September 1955 verließ das Nachkommando der so-wjetischen Besatzungsmacht endgültig das Territorium des Truppenübungsplatzesund die Amtsgebäude in Allentsteig, in denen die Kommandantur untergebrachtwar. Mit Bescheid des Bundesministeriums für Finanzen vom 12. Dezember 1955wurde das Bundesland Niederösterreich, vertreten durch die NiederösterreichischeLandesregierung, zum öffentlichen Verwalter des ehemaligen TruppenübungsplatzesDöllersheim bestellt. 10

Nun begannen neuerlich Spekulationen, was mit dem Territorium geschehen sol-le. Zuerst einmal wurden die Baracken der Lager Edelbach, Kirchenholz und des Ar-beiterlagers Neunzen abgetragen und verkauft. Der Abverkauf wurde in den Amts-blättern verlautbart.11 Die Lager Zwettl und das Arbeiterlager Dürnhof waren bereitsvon der sowjetischen Besatzungsmacht abgetragen beziehungsweise abtransportiertworden. Auch eine Reihe von Offizierswohnhäusern der 1939 entstandenen Sied-lung in der Wienerstraße und in der Wurmbacherallee in Allentsteig wurden zumVerkauf angeboten. 12

Die Wiederherstellung des Gebietes wurde wiederum massiv gefordert. Seit derRückgabe des Truppenübungsplatzes durch die Besatzungsmacht gab es politischeMeinungsverschiedenheiten um die Frage, ob die in der Gegend von Döllersheimentzogenen Liegenschaften den früheren Besitzern zurückgestellt werden solltenoder ob das Gebiet weiterhin als Truppenübungsplatz genutzt werden sollte. Man-che Aussiedler waren inzwischen, nach 17 Jahren, in einer neuen Umgebung hei-misch geworden, hatten sich eine neue Existenz aufgebaut und waren daher gar nichtmehr an einer Rücksiedlung auf den Truppenübungsplatz interessiert. Ein großerTeil der Aussiedler dachte allerdings sehr wohl an die Möglichkeit der Rückführungder ehemaligen Besitzungen. Es waren dies hauptsächlich jene tragischen Fälle vonAussiedlern, die sich im 1938 annektierten Sudetenland angesiedelt hatten und diedann 1945 ein zweites Mal vertrieben worden waren, oder auch jene, die sich auf ehe-maligen jüdischen Besitzungen eingekauft hatten, die nach dem Krieg ersatzlos zu-rückgestellt werden mußten. Bis Dezember 1955 wurden beim Kreisgericht Krems650 Rückstellungsanträge auf ehemalige Besitzungen im Truppenübungsplatzgebieteingebracht. 13

Aber vor allem die größeren Verlierer, wie das Stift Zwettl, welches 1938 900 haseines land- und forstwirtschaftlichen Areals hatte abtreten müssen, und die Wind-hag'sche Stipendienstiftung, welche 1943 das im Gerichtsbezirk Allentsteig gelegene

9 Gattringer, a.a.O., S. 223.

10 Gattringer, a.a.O., S. 237.

11 Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Zwettl, Nr. 15, 1. August 1956 und 78. Jg.,Nr. 5, 1. März 1957.

12 Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Zwettl, 77. Jg., Nr. 20, 15. Oktober 1956.13 Gattringer, a.a.O., S. 238, nennt ca. 570 Ansuchen.