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Wegmüssen : die Entsiedlung des Raumes Döllersheim (Niederösterreich) 1938 - 1942 ; volkskundliche Aspekte ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Schloßmuseum Gobelsburg ; mit einem Beitrag über Waldviertler Flur-, Siedlungs- und Hausformen von Ernst Pleßl und einer Beschreibung Waldviertler Hochzeitsbräuche von Adolfine Misar
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Die deutsche Wehrmacht richtet sich ein

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einem jeweiligen Vorschlag, wie hoch ihrer Ansicht nach das zu verhängende Straf-maß sein sollte, an das Landratsamt gesandt. Man bat um konkrete Mitteilungen,wieviele Strafen aufgrund dieser Anzeigen tatsächlich verhängt worden seien. 26 DerLandrat meldete am 27. September 1939 91 eingeleitete und durchgeführte Strafver-fahren. 18 Verfahren waren aufgrund eines Gnadenerlasses vom 15. September 1939eingestellt worden. Ungefähr 630 Anzeigen waren wegen der Wohnsitze der Be-schuldigten zuständigkeitshalber an andere Landkreise weitergeleitet worden.27

7.5. Gefangenenuniversität in Edelbach

Die Sorge der Kommandantur galt der Geheimhaltung von Übungen und Schießenund der Art der Belegung des Truppenübungsplatzes. Überdies rechnete man in kür-zester Zeit mit der Unterbringung von Kriegsgefangenen auf dem Übungsplatz, wasebenfalls der strengsten Geheimhaltung unterlag.28 Die Belegung etlicher Lager mitKriegsgefangenen wurde tatsächlich bald Wirklichkeit. Die ersten kamen bereits imSeptember 1939 aus Polen, weitere folgten im Zuge des Frankreichfeldzuges.

Über diese Gefangenenlager ist bis jetzt wenig bekannt. Die Zivilbevölkerungwurde, wie man sieht, strengstens ferngehalten, die noch lebenden ehemaligen Ge-fangenen sind schwer zu befragen. Eine ganz unglaubliche Geschichte wurde jedochaus dem Gefangenenlager Edelbach bekannt. Dort hielt man viele Offiziere zum Teiljahrelang( 1940 bis 1945) fest. Da diese nicht wie gemeine Soldaten zum Arbeitsdienstherangezogen wurden, hatten sie offensichtlich Zeit und Gelegenheit, andere Inter-essen zu entwickeln. Sie unterhielten eine Art Gefangenenuniversität mit Biblio-theksbetrieb, von dessen Existenz ein Brief aus dem Mai 1945 zeugt. Darin bestätigtder Brigadegeneral Gibert, der älteste der kriegsgefangenen Offiziere des OFLAGXVII A in Edelbach, daß der Leutnant Georges Langrod, Professor an der Rechts-fakultät der Universität Krakau, oder im Falle seiner Abwesenheit die Unterleut-nants Jean Theis oder Isidor Bojanowski, beide zusammen oder jeder einzeln bevoll-mächtigt seien, über die nicht privaten Bücher zu verfügen, die sich im Lager Edel-bach in 20 Kisten in der Baracke 28, und der Rest in der Kapelle befänden. Die Bücherseien ein Geschenk der französischen Offiziere vom 5. September 1944 an die Polni-sche Akademie der Wissenschaften in Krakau( Natur- und Geisteswissenschaften).Die betroffenen Autoritäten werden gebeten, den genannten Offizieren bei der Si-cherstellung dieser Bücher wie auch bei ihrem Transport nach Polen Hilfe zu leisten.Der Brief ist am 11. April 1945 vom Generalrepräsentanten der Kriegsgefangenendes OFLAG XVII A in Edelbach, Gibert, unterzeichnet und am 15. Mai 1945 vonLeutnant Georges Langrod. 29

26 Brief der Kommandantur an das Landratsamt Zwettl vom 15. 9. 1939, Archiv der Be-zirkshauptmannschaft Zwettl, IV- 203/ 39.

27 Handschriftliches Briefkonzept Zl. IV- 398/ 113 vom 27. 9. 1939, Archiv der Bezirks-hauptmannschaft Zwettl, IV- 203/ 39.

28 Brief der Kommandantur an das Landratsamt Zwettl vom 15. 9. 1939, Archiv der Be-zirkshauptmannschaft Zwettl, IV- 203/ 39.

29 Briefkopie im Archiv der Gemeinde Allentsteig.