7. Die deutsche Wehrmacht richtet sich ein
Über die militärischen Belange im Zusammenhang mit der Errichtung des Truppen-übungsplatzes Döllersheim ist bis jetzt wenig bekannt. Wann und wie erfolgte diePlatzwahl, wer erstellte die Pläne, wie ging die militärische Inbesitznahme des Platzesim Detail vor sich? Wie sah der Lager- und Übungsbetrieb aus, wieviele und welcheEinheiten waren auf dem Platz stationiert usw.? Mit Kriegseintritt kamen TausendeKriegsgefangene nach Döllersheim. Die umfangreichen Arbeitslager, die zum Groß-teil bereits 1938 entstanden, wurden nicht nur von Freiwilligen bevölkert. Mit Fort-schreiten des Krieges wurden Lazarette benötigt und errichtet. Über all diese Fragenweiß die umliegende Bevölkerung wenig. Das Betreten des Übungsplatzes war denmeisten untersagt, und die wenigsten wollten auch etwas Genaueres über die dorti-gen Vorgänge wissen. Diese Fragen interessieren im Zusammenhang mit der vorlie-genden Untersuchung auch nur am Rande, ihre Lösung mag den Militärhistorikernvorbehalten bleiben. Ein kleiner Exkurs über die Inbesitznahme der Region durchdie deutsche Wehrmacht scheint jedoch an dieser Stelle insofern angebracht, als eswährend der gesamten Zeit der Entsiedlung unvermeidliche Berührungspunkte ver-schiedener Art zwischen Wehrmacht und ortsansässiger Bevölkerung gab.
7.1. Fieberhafte Bautätigkeit
Die ersten Auswirkungen waren wirtschaftlicher Art. Sofort nach Bekanntwerdendes Gerüchts über die Entsiedlung begann man im Gebiet von Kaufholz mit den er-sten Schlägerungsarbeiten und mit Vorarbeiten für Baracken- und Bunkerbauten imRaum Großpoppen, Kleinhaselbach, Schlagles, Mannshalm.¹ Bei Zwettl und um denDürnhof wurden ebenfalls große Lager errichtet. Der Großteil der Arbeit wurde mitKräften der Wehrmacht bewerkstelligt, aber auch Leute aus der umliegenden Bevöl-kerung erhielten Arbeit als Bau- und Holzarbeiter, als Kraftfahrer für Aussiedlungs-und Materialfuhren für militärische Bauten und für den Straßenbau. Die meisten Ar-beitslosen des Bezirkes fanden hier Beschäftigung.
Man bediente sich auch der Kräfte einheimischer Baufirmen. Beim Bau des LagersKaufholz sollen bis zu 5.000 Menschen beschäftigt gewesen sein.² Kurij spricht übereinen Belag von bis zu 2.500 Arbeitern gleichzeitig im Lager Neunzen, ³ Leutgebnennt für die Arbeitslager Dürnhof und Zwettl ebenfalls rund 2.000 Menschen.4
1 Bericht eines Zeitzeugen, maschinschriftliches Manuskript, o.J.( 1987), 5 S.
2 Bericht eines Zeitzeugen, a.a.O.
3 Kurij, Nationalsozialismus a.a.O., S. 50.
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4 J. Leutgeb, Zwettl und der Truppenübungsplatz, a.a.O., S. 122.