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Wegmüssen
schaften mit Ende des Jahres 1941 praktisch abgeschlossen. Freilich zogen noch ver-einzelte Familien erst im Jahr 1942 weg, aber diese Fälle schlagen sich im amtlichenBriefverkehr nicht mehr nieder. Die letzte amtliche Meldung im Archiv der Bezirks-hauptmannschaft Zwettl für die Zeit bis Kriegsende, den Truppenübungsplatz be-treffend, bezieht sich auf ein Verbot des Mitführens von Hunden auf dem Übungs-platz, da diese bereits zahlreiches Wild vernichtet hätten.98 Einzig den AllentsteigerSpaziergängern wurde erlaubt, in der Hindenburgallee ihre Hunde spazieren zu füh-ren, allerdings ausschließlich an der Leine.
6.14.„ Es wird nie mehr so werden, wie's früher war"
Es läßt sich nur schwer eine eindeutige Bilanz über die geschilderte Entsiedlung zie-hen. Zu unterschiedlich waren die Umstände für die einzelnen Betroffenen und daherauch die Auswirkungen. Natürlich machte es einen wesentlichen Unterschied, obman zum Zeitpunkt, als das Unvermeidliche eintrat, einen großen oder einen kleinenHof besaß oder gar keinen, ob er alt war oder neu, ob man Herr war oder Knecht,Nationalsozialist oder regimekritisch, ob man Schulden hatte oder keine, ob manjung war oder alt, ob man unter den ersten oder den letzten Aussiedlern war, ob mangleich ein Haus fand oder nicht. Jüngere, unternehmungsfreudige Bauern stiegen un-ter Umständen wirtschaftlich gar nicht so schlecht aus. Ältere und weniger entschlos-sene Menschen hatten oft nicht mehr die Kraft, neu anzufangen und verloren Habund Gut. Nicht selten führte auch der Zufall Regie.
Die wirtschaftliche Auswirkung ist die eine Seite, die emotional- menschliche dieandere. Auch da spielte das Alter, in dem man die Aussiedlung erlebte, meist einewesentliche Rolle. Für die Kinder war es noch relativ am einfachsten, anderswo wie-der Fuß zu fassen. Viele erzählen jedoch über anfängliche Schulprobleme. Bei denMädchen standen die Lernprobleme stärker im Vordergrund, bei den Knaben die Po-sitionskämpfe. Eine Frau aus Oberplöttbach erzählt:
,, In der Schule, da ist es mir schon ein wenig hart vorgekommen. Die haben ganz andereLernmethoden gehabt. Mit dem Rechnen waren wir viel weiter vorne, aber bei anderenStückln, da war ich wieder hinten, da war ich benachteiligt. Es hat aber nicht lange gedauert,dann war man nicht mehr fremd."
Bei den Buben lag die Eingewöhnung auf einer anderen Ebene:
„ Anfangs sind wir richtig gehaut worden. Die haben geglaubt, jetzt kommt eine Konkur-renz. Einem hätten sie wahrscheinlich nichts getan, aber wir waren gleich ein paar. In Döl-lersheim, da waren mehr Klassen, aber in Unterthumeritz war eine einklassige Volksschule,alle acht Jahrgänge in einer Klasse. Dort gab es auch wieder ein bißchen einen anderen Dia-lekt, obwohl es nur 30 Kilometer von der alten Heimat entfernt war. Das hat sich auchgleich ausgewirkt. Aber später sind wir dann sehr gut gewesen mit den anderen aus Thu-meritz."
98 Amtsblatt des Landrates in Zwettl, 63. Jg., Nr. 11, 12. März 1942.