Die Entsiedlung
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Die Gerüchte wollten jedoch nicht verstummen, vornehmlich in der Gegendwestlich des Truppenübungsplatzes, in Schwarzenau, Großglobnitz, Schweiggers,Jagenbach. Das veranlaßte den Landrat zu einem Brief an den Gauleiter Dr. HugoJury am 23. August 1939.77 Darin berichtete er, daß das Gerücht trotz wiederholtenscharfen Durchgreifens, öffentlich verlautbarter Erklärungen und selbst Bestrafun-gen durch das Amtsgericht Zwettl, nicht ganz zum Verstummen gebracht werdenkonnte. Den Grund dafür sah er allerdings nicht ausschließlich in den böswilligenGerüchteverbreitern, sondern auch in der Tatsache, daß bisher weder von der Gau-leitung noch von der Wehrkreisverwaltung XVII bindende schriftliche Erklärungenüber die festen Grenzen des Truppenübungsplatzes Döllersheim abgegeben wordenwaren.78 Es sei zu befürchten, daß er( der Landesrat) eines Tages wirklich seiner öf-fentlichen Erklärung Lügen gestraft werde. Da die Versicherung der örtlichen Ver-treter von Partei und Staat offensichtlich nicht mehr genügten, ersuchte der Landratum eine bindende Erklärung des Gauleiters, auch um„ bei uns selber aufsteigendeZweifel zu beseitigen". 79 Im Antwortschreiben wurde von der Gauleitung bedauert,daß nach wie vor keine bindenden Erklärungen abgegeben werden könnten, es seiaber von der Wehrkreisverwaltung mitgeteilt worden,„ daß wesentliche Grenzände-rungen nicht mehr bevorstünden". Es sei bloß noch„ von irgendeinem Wald gespro-chen worden, in welchem sich einige Streusiedlungen befinden sollen". 80 Die Bevöl-kerung sei zu beruhigen und darauf hinzuweisen,„ daß letzten Endes die Reichssi-cherheit unter allen Umständen hergestellt werden muß, wenn auch Entsiedlungender einzelnen Volksgenossen selbstverständlich sehr schwer treffen".81
6.13. Die Schwierigkeiten mehren sich
Die zum Kauf angebotenen Höfe wurden immer weniger. Der LandesbauernführerReinthaller wies die Kreisbauernschaften jedoch an, den Kaufverträgen die Geneh-migung zu versagen, wenn nicht die absolute Gewähr dafür bestünde, daß die ange-botenen Höfe in jeder Beziehung einwandfrei seien, den gesteigerten Ansprüchen,die an einen Erbhof zu stellen seien, genügten, und zu einem angemessenen Preis ab-gegeben würden. 82 Weiters bat er,„ in Zukunft davon Abstand zu nehmen, die Um-
77 Brief des Landrates des Kreises Zwettl an den Gauleiter und Landeshauptmann von Nie-derdonau Pg. Dr. Hugo Jury vom 23. August 1939, Archiv der BezirkshauptmannschaftZwettl, IV- 203/ 109.
78 Archiv der Bezirkshauptmannschaft Zwettl, IV- 203/ 109.79 Archiv der Bezirkshauptmannschaft Zwettl, IV- 203/ 109.
80 Der Regierungsdirektor von Niederdonau an den Pg. Dr. Kerndl, Landrat, 30. August1939, Zl. 1201- Dr.M/ H, Archiv der Bezirkshauptmannschaft Zwettl.
81 Archiv der Bezirkshauptmannschaft Zwettl, Zl. 1201- Dr.M/ H. Die Formulierungklingt, als ob es sich um die Entsiedlung einiger weniger Menschen gehandelt hätte. Ein noch-maliger Aufruf, die Verbreitung von Gerüchten zu unterlassen, erfolgt im Amtsblatt, 62. Jg.,Nr. 6, vom 6. Februar 1941.
82 Sonderrundschreiben des Landesbauernführers an alle Kreishauptmannschaften,22. Juni 1939, Zl. 55/39, Archiv der Bezirkshauptmannschaft Zwettl, IV- 203/ 39.