270
Wegmüssen
Die Kaufverträge für die neuen Ersatzgrundstücke bedurften der Genehmigungder DAG. 54 Die Ersatzkäufe waren von den Grunderwerbsgebühren befreit. Dafürmußte ein Antrag bei der Reichsstelle für Landbeschaffung in Berlin gestellt und dievom Notar beglaubigte Vertragsabschrift nebst Angabe der Grundstücksgröße bei-gebracht werden.
Nachdem die erste Zone geräumt war, erlaubte man nun doch auch den Bewoh-nern der zweiten und dritten Zone den Ankauf neuer Besitzungen, immer allerdingsunter Berücksichtigung vordringlicher Fälle, das heißt solcher mit früheren Entsied-lungsterminen. Falls sie allerdings vor dem amtlich vorgesehenen Räumungsterminwegziehen wollten, bestand man„ im Interesse der Ernährungspolitik" darauf, daẞihre landwirtschaftlichen Flächen im Jahre 1939 noch bestellt wurden.55
6.8. Aufruf zum Ernteeinsatz
Bei den ersten Aussiedlern blieb praktisch die gesamte Frucht auf den Feldern stehen.Sie mußten 14 Tage vor Beginn der Ernte die Dörfer räumen. Die DAG, die sich ver-pflichtet hatte, die Felder abzuernten, stand neuerlich vor einem großen Problem.Ohne Hilfe der Bevölkerung und der Soldaten, die sich bereits auf dem Übungsplatzbefanden, waren die anfallenden Erntearbeiten nicht zu bewältigen. Am 25. Juli 1938ließ der Zwettler Bezirkshauptmann 300 Stück des folgenden Aufrufes an die Bürger-meister der betroffenen Ortschaften verteilen: 56
AN ALLE VOLKSGENOSSEN UNDVOLKSGENOSSINNEN!
Das Wehrkreiskommando wirbt euch in der kurzen Zeit, in der Ihr noch in Eurer altenHeimat bleibt, in der Gegend von Gross- Poppen, zur Erntearbeit an. Helft mit, den ErtragEurer Arbeit sicherzustellen und die Ernte einzubringen. Ihr macht es nicht umsonst, dasWehrkreiskommando Allentsteig zahlt Euch einen gerechten und entsprechend guten Lohn.Denn, verdirbt das Getreide auf den Feldern, die bisher Euch gehörten, so bedeutet das einenempfindlichen Ausfall, den auch Ihr wieder sehr stark spüren würdet.
Bleibt bis zum Tage Eurer endgültigen Umsiedlung nicht müßig, sondern verdient Euchbis der Tag des Scheidens kommt, noch ein Zehr- und Reisegeld durch Mithilfe bei den Ern-tearbeiten.
54 Archiv der Bezirkshauptmannschaft Zwettl, IV- 203/ 38.
55 Archiv der Bezirkshauptmannschaft Zwettl, IV- 203/ 38 und Brief der DAG an die Be-zirkshauptmannschaft Zwettl vom 18. August 1938.
56 Handschriftliches Manuskript des Zwettler Bezirkshauptmannes im Archiv der Bezirks-hauptmannschaft Zwettl, IV- 203/ 38, und maschinschriftlich vervielfältigtes Exemplar aus ei-nem Privatarchiv.