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Wegmüssen : die Entsiedlung des Raumes Döllersheim (Niederösterreich) 1938 - 1942 ; volkskundliche Aspekte ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Schloßmuseum Gobelsburg ; mit einem Beitrag über Waldviertler Flur-, Siedlungs- und Hausformen von Ernst Pleßl und einer Beschreibung Waldviertler Hochzeitsbräuche von Adolfine Misar
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Wegmüssen

6.6. Erste Schwierigkeiten

Obwohl man seitens der Behörden keinen Zweifel darüber aufkommen ließ, daß je-der Widerstand gegen die Entsiedlungsaktion zwecklos sei, gab es vielerlei Problemein dieser Hinsicht. Die Versammlungen verliefen zum Teil überaus hitzig, sodaß sichKreisleiter und Bezirkshauptmann genötigt sahen, in den zu entsiedelnden Ortschaf-ten einen Informations- und Beruhigungsdienst einzurichten. 37 Die Bevölkerungdes Entsiedlungsgebietes war durch Fehler, die in den Augen der Zwettler Behördendie Beamten der DAG bei ihren Besprechungen mit den zu entsiedelnden Bauerngemacht hatten, ziemlich stark in Unruhe geraten. Die von Kreisleitung und Bezirks-hauptmannschaft durch ihre Redetätigkeit erzielte bewundernswerte Opferbereit-schaft der betroffenen Bauernschaft" war in Frage gestellt. 38 In einer Rede an diezu entsiedelnden Volksgenossen" hatten Vertreter der Wehrmacht und der GauleiterDr. Jury am 25. Juni 1938 in Allentsteig verschiedene Zusagen an die Bauern ge-macht, die auch schriftlich niedergelegt wurden. 39 Zur leichteren Bewältigung derArbeit, bei der die DAG aufgrund der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit auf be-trächtliche Schwierigkeiten stieß, wollte man schließlich auf einige Punkte zu Un-gunsten der Bauernschaft verzichten. Da einfach nicht genügend Ersatzwirtschaftenzur Verfügung standen, wollte man zum Beispiel kleinere Besitzer nicht umsiedeln,sondern bloß entschädigen. Der Bezirkshauptmann bezeichnet den Umgang von Be-amten der DAG mit den Leuten, ohne Hinzuziehung örtlicher Vertrauensmänner,schlichtweg als ein Fiasko. 40 Die Hoffnung der Umsiedlungsgesellschaft, daß sichalle zu entsiedelnden Landwirte auf dem freien Markt wieder Bauernhöfe beschaffenkönnten, erwies sich als trügerisch. Erstens waren nicht genügend käufliche Bauern-wirtschaften verfügbar, und zweitens verlangten die verkaufswilligen Bauern binnenKürze ,, Phantasiepreise". Da die Wehrmacht von der DAG aber eine Sofortentsied-lung forderte, die erst einmal organisiert, durchgeführt und auch finanziert werdenmußte, gab es bald Schwierigkeiten mit den Transportmitteln, aber auch mit den er-forderlichen Zwischenunterkünften für Familien, die nicht sofort einen Hof gefun-den hatten. Die Zwettler Bezirkshauptmannschaft forderte energisch, in die Ent-scheidungen der DAG eingebunden zu werden, und sie forderte auch das Wehrkreis-kommando in Allentsteig auf, tatkräftig mitzuhelfen. Der Bezirkshauptmann wiesauch darauf hin, daß das schwere Opfer der Bauern, noch vor der Ernte Haus undHof in eine ungewisse Zukunft verlassen zu müssen, eine politisch sehr heikle undempfindsame Angelegenheit sei, und daß es dringend geboten sei, die an die Luftgesetzten Bauern schleunigst, und zwar noch im selben Jahr, wieder anzusiedeln. 41

Einer Bekanntmachung der DAG, die das Datum Allentsteig, den 21. Juli 1938trägt, ist zu entnehmen, daß aufgrund der Dringlichkeit der Räumung der erstenDörfer die Bearbeitung der Ankaufsverhandlungen für alle übrigen Grundstücke desÜbungsplatzgebietes vorläufig zurückgestellt wurden. 42 Ein Siedler erzählt dazu:

37 Archiv der Bezirkshauptmannschaft Zwettl, IV- 203/ 6.38 Archiv der Bezirkshauptmannschaft Zwettl, IV- 203/ 6.39 Archiv der Bezirkshauptmannschaft Zwettl, IV- 203/ 6.40 Archiv der Bezirkshauptmannschaft Zwettl, IV- 203/ 6.41 Archiv der Bezirkshauptmannschaft Zwettl, IV- 203/ 6.

42 Bekanntmachung der DAG, Geschäftsstelle Allentsteig, Privatarchiv.