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Wegmüssen : die Entsiedlung des Raumes Döllersheim (Niederösterreich) 1938 - 1942 ; volkskundliche Aspekte ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Schloßmuseum Gobelsburg ; mit einem Beitrag über Waldviertler Flur-, Siedlungs- und Hausformen von Ernst Pleßl und einer Beschreibung Waldviertler Hochzeitsbräuche von Adolfine Misar
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Die Entsiedlung

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und er nicht einmal wisse, wohin. Das gegenständliche Ansuchen wurde zurückge-wiesen und dem Drahtbinder empfohlen, ein Ansuchen um Erweiterung seiner Wan-dergewerbeberechtigung einzubringen.²²

Diese wenigen Beispiele zeigen eindrucksvoll, in welche Schwierigkeiten die Ge-werbetreibenden- nicht nur diejenigen aus dem Entsiedlungsgebiet, sondern auchaus den angrenzenden Ortschaften-, die weder Entschädigungen noch Unterstüt-zungen zum Absiedeln erhielten, gerieten. Dies betraf alle Branchen gleichermaßen:Schlosser, Schmiede, Sattler, Wagner, Tischler, Zimmerleute, Maurer, Schuster,Schneider usw.

Die Behörden hatten mit allerlei Schwierigkeiten zu kämpfen. Nach dem Be-kanntwerden der Entsiedlungsmaßnahmen war mit sofortigen Abhebungen bei denörtlichen Raiffeisenkassen zu rechnen. Hilfestellung für die Umsiedlung mußte er-bracht werden. Dafür wurde der Landdienst oder Arbeitsdienst in Aussicht genom-men. Unterbringungsmöglichkeiten für Leute und Vieh mußten raschest gefundenwerden, Verkaufsmöglichkeiten für nicht transportierbares Vieh und zum Teil sogarfür die Ernte mußten sichergestellt werden. In den ersten acht Ortschaften konnteund durfte nicht einmal mehr die Fechsung eingebracht werden. Eine Reihe von Ver-waltungsmaßnahmen wurden notwendig. Sanitärgemeindegruppen mußten geän-dert oder aufgehoben werden, die Wasenmeisterei Kleinhaselbach war zu verlegen,veterinärpolizeiliche Maßnahmen waren zu ergreifen( Maul- und Klauenseuche warin den Nachbarbezirken ausgebrochen), Versicherungsverträge gegen. Brandschadenund Hagelschlag waren vorzeitig zu kündigen, die Matriken der aufzulassendenPfarrämter anderswo zu verwahren, die im Evakuierungsgebiet liegenden Gendar-merieposten waren zu liquidieren und vieles andere mehr. Die Bezirkshauptmann-schaft Zwettl suchte um Aufstockung ihres Personals an. 23

6.3. Schätzungen der Anwesen

Unter den Aussiedlern brachen fieberhafte Aktivitäten an. Das Vordringlichste war,eine neue Bleibe zu suchen, und das innerhalb von sechs Wochen. Die Höfe und Be-sitzungen der Bauern wurden von der DAG geschätzt. Bezirkshauptmannschaft undKreisleitung verlangten, daß die aus der dortigen Gegend beigezogenen Schätzleutevon ihnen genehmigt werden müßten. 24 Durchschnittlich wurde pro Anwesen fürdie Arbeit der beeideten Schätzungskommission ein halber Tag festgesetzt. 25 DieAussiedler erinnern sich nicht mehr an die genauen Kriterien der Schätzungen. Siesollen allerdings anfangs äußerst großzügig gewesen sein.

,, Mancher, der vorher einen Hof hatte, hatte nachher zwei oder einen doppelt so großen."Aber ,,, ein Hof, der alt war, der hat oft fast so gut abgeschnitten wie einer, der einen gutenHof hatte."

22 Archiv der Bezirkshauptmannschaft Zwettl, IV- 203/ 38.23 Archiv der Bezirkshauptmannschaft Zwettl, IV- 203/ 2.

24 Archiv der Bezirkshauptmannschaft Zwettl, IV- 203/ 6.

25 Schriftliche Aufforderung der DAG, sich für die Besichtigung und Einschätzung einerLiegenschaft bereitzuhalten, Zl. 25 vom 11. Juli 1938, Privatarchiv.