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Wegmüssen : die Entsiedlung des Raumes Döllersheim (Niederösterreich) 1938 - 1942 ; volkskundliche Aspekte ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Schloßmuseum Gobelsburg ; mit einem Beitrag über Waldviertler Flur-, Siedlungs- und Hausformen von Ernst Pleßl und einer Beschreibung Waldviertler Hochzeitsbräuche von Adolfine Misar
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Die Entsiedlung

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heim, am 3. Juli, gab es bereits eine Versammlung in dieser Angelegenheit. Die Leutewaren verwirrt und bedrückt, keiner wußte, wie es weitergehen werde.

Die Großmutter hat sich schrecklich aufgeregt. Mein Gott, jetzt müssen wir weg. Wo sinddenn die Leute schon hingekommen früher. Die sind einmal nach Mariazell, das war schondas weiteste für so eine Bäuerin. Maria Dreieichen vielleicht zweimal, das war auch schonalles."

Unter den ersten Opfern der Entsiedlung befand sich auch das Stift Zwettl. Vom14. bis 21. August 1938 mußte der Dürnhof, ein Gutshof des Stiftes, der eine derwichtigsten wirtschaftlichen Grundlagen und Hauptversorgungsquellen für das Stiftwar, geräumt werden. 13 86 Stück Großvieh und 150 Schweine wurden zur Zeit derEntsiedlung auf dem Dürnhof gehalten. 14 Es herrschte damals eine große Bestürzungim Kloster, als klar wurde, daß der neue Truppenübungsplatz direkt an das Stift an-grenzen sollte. Die Deutsche Wehrmacht beanspruchte 900 ha des land- und forst-wirtschaftlichen Besitzes des Klosters. Für das Ackerland wurden 900 RM Entschä-digung pro ha angeboten, für den Wald 1000 RM pro ha, was weit unter dem tatsäch-lichen Wert lag. 15 Dem Kloster blieb, wie allen anderen, nichts anderes übrig, als zuakzeptieren. Der Verlust des Klosterwaldes war besonders hart.

Zur selben Zeit fand in Württemberg eine ähnliche Umsiedlung statt. 16 Der Kursin Richtung Krieg stand für das Hitler- Regime fest. Zur Ertüchtigung und besserenAusbildung der Wehrmacht wurden in allen Gegenden des Reiches größere Trup-penübungsplätze benötigt. So auch auf der Schwäbischen Alb, wo sich der Trup-penübungsplatz Münsingen befand. Hier fiel allerdings nur eine einzige Gemeinde,der Ort Gruorn, mit 665 Einwohnern und einer Fläche von 1.306 ha der Vergröße-rung des bereits vorhandenen Übungsplatzes zum Opfer. Für die betroffenen Be-wohner war es allerdings nicht weniger schwer, ihren Heimatort zu verlassen, als fürdie betroffenen Waldviertler. Als Räumungszeitraum für Gruorn waren allerdingszwei Jahre festgesetzt( 1. März 1937 bis 28. Februar 1939), wodurch sich natürlichviele Härten, die im Waldviertel aufgrund der großen Eile entstanden, nicht ergaben.Die Gruorner Felder wurden in 13 Güteklassen eingeteilt, wobei der Hektar- Ersatzfür die beste Klasse 4.000 RM betrug und der für die schlechteste 2.400 RM.17 DieseZahlen setze man in Vergleich zu den vorher genannten Ablösesummen, die das StiftZwettl erhielt!

6.2. Gewerbetreibende geraten in Not

Als eine der vordringlichsten Aufgaben wurde angesehen, für die Befürsorgung einerGroßzahl von Personen zusätzliche Barmittel flüssig zu machen, da sofort nach Be-kanntwerden der bevorstehenden Entsiedlung diesbezügliche Anträge an die Be-zirkshauptmannschaft gerichtet wurden. Bereits am 30. Juni 1938 erschienen zwei

13 Festschrift 200 Jahre Pfarre Stift Zwettl, a.a.O., S. 45.

14 Leutgeb, Zwettl und der Truppenübungsplatz, a.a.O., S. 120.

15 Kurij, a.a.O., S. 48.

16 Den Hinweis verdanke ich Martin Scharfe, wofür hier herzlich gedankt sei.

17 Angelika Bischoff- Luithlen( Bearb.), Gruorn- Ein Dorf und sein Ende. Stuttgart 1967,

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