Vom Leben auf dem Dorf
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,, Da hat man beim Dreschen immer geschaut, daß man sich die schöneren Schab aufhebt,zum Dachausbessern. Das hat Strohausputzen geheißen. Da war so ein Balken, und aufdem Balken waren hölzerne Zähne drauf. Und da hat man so einen Schüppel genommen,gerade daß man ihn schön in die Hand bracht hat, und das hat man immer so dreingebenund durchgezogen, bis daß das schönste Stroh übriggeblieben ist. Das war mir die zuwider-ste Arbeit im Winter. Aber jedes Jahr hat man, ein Fachl hat man das gnennt, erneuert. Daswar eine ganz schön große Fläche. Und für ein Fachl hat man jeden Winter Stroh ausputzenmüssen. So zirka 40 Schab ausputztes Stroh hat man gebraucht."
Die Frauen waren während der Winterszeit ebenfalls mit diversen Ausbesse-rungsarbeiten beschäftigt. Alte Kleider wurden geflickt und neue hergestellt. Nebendem Spinnen und Weben wurde auch viel gestrickt, Schafwollsocken, Fäustlinge,
Hauben und Westen.
,, Während des Krieges hat man viele Schafe gehabt, aber auch schon vorher. Die von ihnengewonnene Wolle hat man selbst verarbeitet. Die geschorene Wolle wurde gewaschen, unddann hat man sie zoasn[ Anm.: auseinanderziehen] müssen. Die zoaste Woll' ist dann aufeine Kempen gekommen. Das waren auf ein Brett genagelte Spitzen und ein Holzgriff,ebenfalls mit Spitzen. Damit hat man die Schafwolle zugerichtet. Je öfter man die Wolledurchgezogen hat, desto feiner ist sie geworden. Nach dem Kempen wurde die Wolle ge-sponnen, und nach dem Spinnen ist sie noch einmal gewaschen worden. Dann konnte mansie zum Stricken verwenden."
4.1.4. Vom Flachs zum Leinen
Eine Kulturpflanze, welche durch Jahrhunderte das Landschaftsbild des Waldvier-tels entscheidend mitgeprägt hat, der Flachs, ist heute endgültig von den Feldern ver-schwunden. Vor dem Zweiten Weltkrieg bauten ihn noch viele Bauern des Entsied-lungsgebietes. Er war ein wichtiges Glied in der bäuerlichen Versorgungskette.Flachsbau und Weberei wurden im Waldviertel kontinuierlich seit frühester Zeit be-trieben, obgleich die urkundlichen Belege dafür kaum über das 16. Jahrhundert zu-rückgehen. Wieder sind es die Orts- und Familiennamen, die die frühesten Hinweiseliefern: Klein- und Großharras, Harruck, Harreith, Harrer.19 Berichte über Tagun-gender Weberzünfte aus dem 17. Jahrhundert beweisen, wie weit verbreitet die We-berei im Waldviertel damals war. Ein Protokoll über ein Weber- Treffen in Weitraam 30. Juli 1687 nennt neben vielen anderen Orten auch Teilnehmer aus Allentsteig,Neupölla und Zwettl, womit das gesamte spätere Entsiedlungsgebiet abgegrenztwäre. 20 Die Zunftbezirke erstreckten sich anfangs etwa auf das Gebiet der Landge-richte, wobei es aber auch zu Überschreitungen kam, wenn einzelne Orte sich näher-liegenden Zünften anschließen wollten. Mit der Einführung der Gewerbeordnungvon 1859 begannen die Weberzünfte auszusterben.
19 Schmidt, Volkskunde von Niederösterreich, a.a.O., Band 1, S. 220.
20 Rupert Hauer, Zur älteren Geschichte der Weberei im Waldviertel. In: Das Waldviertel,Nr. 5, 1952, S. 11.