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Wegmüssen : die Entsiedlung des Raumes Döllersheim (Niederösterreich) 1938 - 1942 ; volkskundliche Aspekte ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Schloßmuseum Gobelsburg ; mit einem Beitrag über Waldviertler Flur-, Siedlungs- und Hausformen von Ernst Pleßl und einer Beschreibung Waldviertler Hochzeitsbräuche von Adolfine Misar
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Wegmüssen

abends einen öffentlichen Vortrag über Geographische Züge der Landschaft desWaldviertels".4

Die Hochschullehrer hatten bei ihrer kleinen Rundfahrt über Döllersheim undFlachau

,,... einen lebendigen Eindruck der reizenden Landschaft, die hier in welligen Hochflächenbesteht, von einzelnen bewaldeten Härtlingskuppen und-rücken überhöht, mit Feldernund Wiesen überzogen, vom Kamp und seinen Zuflüssen durchschnitten. Die Siedlungenliegen meist auf der Hochfläche, bald in Mulden, bald auf Rücken, nur selten in den Tälern,wo es an Raum fehlt. Diese haben steile, von schönem Hochwald bedeckte Hänge, meistschmale, mit Mühlen besetzte Sohlen, über deren Wehren das jetzt[ Anm.: Ende April]ziemlich hohe braune Wasser schäumend stürzt. Schneeschutzzäune auf der Höhe kündenvon der starken Windwirkung. Steinsockel, Holzoberbau und Schindeldach vieler Häuserverleihen den Siedlungen oft einen alpinen Charakter. Auch die Menschen werden in die-sem Klima hart und zäh... Volkskundlich von Interesse ist das wiederholt vom Wagen ausfestzustellende, im Waldviertel weitverbreitete Firstschauben- Strohdach. Es stellt eineMischform zwischen dem mitteleuropäischen geglätteten Schaubendach und dem osteuro-päischen Wirrstrohdach dar und ist für das koloniale Gebiet kennzeichnend." 5

Johann Anton Friedrich Reil, der Wanderer im Waldviertel, der dieselbe Gegend112 Jahre zuvor bereiste, fand den Weg von der Poststraße hinter Göpfritz abwei-chend über Edelbach nach Stift Zwettl nicht ganz so reizvoll. Der unbedeutendeWeg von mehreren Stunden" war ihm keiner näheren Beschreibung wert.

3.1.2. Geologischer Aufbau

Becker charakterisiert das Waldviertel als eine geographische Einheit in landschaft-licher und wirtschaftlicher Hinsicht, in der sich jedoch kleinere Einzellandschaftendeutlich voneinander unterscheiden, ohne sich scharf gegeneinander abzugrenzen.Die Grenzen sind nur im Osten durch den steilen Abfall des Mannhartsberges, wel-cher das Wald- vom Weinviertel trennt, scharf ausgeprägt. Die Südgrenze ist durchden Lauf der Donau gegeben, wobei das Waldviertel allerdings an einigen Stellen( Dunkelsteiner Wald, bei Melk, Pöchlarn und im Strudengau) über die Donau aus-greift. Die Grenzen gegen Westen und Norden sind nur durch die betreffende Lan-des- beziehungsweise Staatsgrenze gegeben, denn der Landschaftscharakter der so-genannten böhmischen Masse, deren südöstlichen Flügel das Waldviertel bildet, setztsich sowohl im oberösterreichischen Mühlviertel als auch im angrenzenden GebietBöhmens und Mährens unverändert fort. Quer durch das Waldviertel, etwa von der

4 Hugo Hassinger, Geographische Züge der Landschaft des Waldviertels. In: H. Hirsch,E. Rieger, Protokoll der Studienfahrt Wiener und Prager Hochschullehrer und ihrer Gästedurch das Waldviertel und angrenzende Südböhmen vom 28.- 30. April 1935. Wien 1935, ma-schinschriftliches Manuskript, S. 17- 23.

5 Protokoll der Studienfahrt, a.a.O., S. 23.

6 Johann Anton Friedrich Reil, Der Wanderer im Waldviertel. Ein Tagebuch für Freundeösterreichischer Gegenden( 1823). Herausgegeben und eingeleitet von Wolfgang Häusler,Wien 1981, S. 114.