Spätere, dem Ulenspiegel verwandte Bücher.
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§. 9. Von einigen späteren, dem Ulenspiegel
verwandten Büchern.
I. Johannes Pauli, Schimpff und Ernst.
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Ein älterer Zeit- und Ordensgenosse des Thomas Murnerwar der Franciscaner Johannes Pauli. Dieser scheint, umdas Jahr 1455 von jüdischen Eltern entsprossen, eigentlich denNamen Paul Pfedersheimer geführt zu haben, schon frühaber zum Christenthum übergegangen zu sein und zu Strassburgden Grad eines Magisters der freien Künste erlangt zu haben. ¹)Er ging in den Barfüsser- Orden und schon seit 1479 predigteder junge gelehrte Convertit in dem Kloster der kleinen Reichs-stadt Thann in der alten Grafschaft Pfirt im Sundgau oder El-sass, Departement des Oberrheins. Wir hören von ihm zuerst1499, wo er, ein ausgezeichneter Prediger, zu dem von demGeneral- Vicar der Franciscaner, Franz Sabarra, nach Oppenheimberufenen Convente beschieden wurde. In den Jahren 1506 bis1510 finden wir ihn als Gardian des dortigen Barfüsser- Klosterszu Strassburg, wo er die Predigten des trefflichen Dr. Geilervon Kaisersberg( † 1510 März 10) niederzeichnete, in den fol-genden drei bis vier Jahren ausarbeitete und 1515 unter demTitel: das Evangelibuch, geprediget von Geiler von Kaisers-berg, von Joh. Pauli uffgeschrieben, durch Grüninger daselbstdrucken liess.
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Unerachtet des Widerspruches des Neffen und Erben Gei-lers, des gelehrten P. Wickgram, gab Pauli bald darauf noch 41Fastenpredigten Geilers, unter dem Titel:" Die Emeis" heraus.( Strassburg, Grüninger 1516, auch 1517 fol.) Ferner im folgen-den Jahre dessen Brösamlein, gleichfalls eine Sammlung vonPredigten. Wir erfahren aus den Schlussworten, dass Joh. Pauli
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1. K. Veith, Ueber den Barfüsser Joh. Pauli und das von ihm verfassteVolksbuch Schimpff und Ernst, nebst 46 Proben aus demselben. Wien. 1839.S. 3. Flögel hatte eine besondere Abhandlung über dieses für die Geschichteder komischen Literatur wichtige Werk beabsichtigt, weshalb er desselbenin seiner Geschichte jener Literatur( Th. III. S. 63) nur kurz gedenkt. Jeneist jedoch nie erschienen.