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Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
Entstehung
Seite
87
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91. Von eim Nonnenkloster.

Is ich mich einmal bei eim Nachbarn eines Klosters, das ich weiß,

mir, im ganzen Kloster war keine keusch, dann ein einige, die manderhalben keusch nennete, daß sie noch nicht geboren hátt, an ihrerJungfernschaft Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfernschaft wåren starke Zweifel. Die andern waren alle Mütter,und etliche hatten ein große Zahl Kinder, sonderlich die Äbtissin. Einander, ein furzweilig Mann, setzet dazu: Wahr ists, war sie nichtso oft Mutter worden, hått sie nach ihrer Sagung und Regel nichtmögen Äbtissin bleiben."

92. Von einem Ehebrecher, der da grunzet wie ein Schwein.

Iis einer, der mit eines Bäckers Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib ehebrecheriſchen Handel trieb,

zunahet; da kroch er aus Rat seiner Buhlschaft in den Säustall, sounter der Stiegen war. Wie nun der Mann das Rauschen des Strohshöret, dann sich der ander noch nicht recht gelegt hått, fraget er: Werbist Du?" Da fing er am ersten an zu grunzen als ein Sau, wieihn denn die Ehebrecherin gelehret hått. Da aber der Bäcker emsigeranhielte mit Fragen, sprach er: Ich bin ein armselig Schwein." Überdiese Stimm ward der Bäcker sehr erschrecket, dann er vermeinet, daswar ein Teufelsstimm, was der aufs greulichst von sich gabe, lief flugshinweg vom Haus, so daß der Ehebrecher ohn alle Gefahr funntdavonkommen.

93. Vom Linsenbauern.

er Linsenbauer, so geheißen von den Linsen, war ein Leckersbubund Schmaroßer, wohlbekannt bei der Kaiserin Blanka Mariaund bei andern edeln Fürstinnen. Wie er mit dem Kriegsvolk desKonigs in das Ungarland und nach Frankreich, Flandern, Geldern undander Ort zoge, wollt er bei keiner Schlacht mittun, dann er saget,es wår niemand da, der den Streit schlichten und die Waffen von ein-

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