Druckschrift 
Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
Entstehung
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79. Von einer jungen Frauen.

Ou Neuffen in dem Städtlein war an eim Sonntag eine Hochzeit

war, saget ein Priester, der eben erst war zu der Kirchen kommen,wie es anderwärts ein Brauch war, daß die Bräute am Tage danachin die Kirchen gingen, von Gott ein guten Anfang zu erbitten. Und erwår erstaunt, daß solches nicht auch hier geschehet. Da antwortetein ander, es wär den Verwundeten versagt, die Kirchen zu betreten,dann er vermeinet, die Braut wår vom Manne verwundet.

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80. Ein schwankiger Spruch einer edeln Frauen.

Is Erzherzog Siegmund von Österreich Elsaß, Breisgau und dieLandvogtei in Schwaben Herzog Jörgen von Bayern verkaufthátt, sind die Einwohner des Verkaufs gar nicht zufrieden gewesen.Wie nun ein bayerischer Ritter, der in dieser Sach handeln sollt,beim Schloß Pfirt vorbeiritte, fand er das Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib des Pflegers vor demSchloß mit etlichen Sauen sißen; er grüßet sie und fraget, was sieda tát. Ich hör," gab sie fein höflich zur Antwort ,,, daß wir werdenmüssen Bayerisch werden; derhalb bemüh ich mich, ihre Sprach vonden Säuen zu lernen." Der gemeine Mann heißt nämlich die BayernSáu, weil sie ein groß Einkommen haben von den Säuen.

81. Von einem Minoritenmönch.

in Mönch des Minoritenordens mit Namen Martianus wollt denheiligen Franciscum seiner Würdigkeit halber loben und preisen,da prediget er also und antwortet ihm selbst: Francisce, wo willstDu sitzen? Bei den Jungfrauen Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrauen?" Antwortet ihm selbst: Nein."Weiter: Francisce, wo willst Du sißen? Bei den Beichtigern?",, Nein." Weiter: ,, Francisce, wo willst Du ſizen? Bei den Märtyrern?",, Nein." Und wie er ihn also von einem Chor der Heiligen zumandern führet und doch kein Ort fande, daß ein so großer Mann hátt

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