Druckschrift 
1: Volkserotik und Pflanzenwelt : eine Darstellung alter wie moderner, erotischer und sexueller Gebräuche, Vergleiche, Benennungen, Sprichwörter, Redewendungen, Rätsel, Volkslieder, erotischen Zaubers und Aberglaubens, sexueller Heilkunde, die sich auf Pflanzen beziehen. 1.
Entstehung
Halle a. S. [ca. 1908]
Seite
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Lawendel.

( Lavendula officinalis).

Wie Majoran, Thymian, Petersilie galt der Lawendein der deutschen Volksmedizin als Vorbeugungsmittelgegen die Empfängnis oder auch als Abtreibemittel. DieMädchen tranken ihn als Tee, um die menses zu reizenund desto sicherer dem Liebesgenuß zu fröhnen.Kinderreime stellen daher diese Kräuter mit Brautschaft undHochzeit zusammen( siehe Thymian, Petersilie, Wein):Lawendel, Myrte, Thymian

Wächst in unserm Garten usw.

Ein anderes Kinderlied heißt:

Guten Tag, Herr Gärtnersmann,Haben Sie Lawendel,Rosmarin und Thymian

Und ein wenig Quendel?

Ja! Madame, das haben wir

Draußen in dem Garten usw.

Alte

Der Name Lawendel leitet sich vom lat. lavare= badenab. Schon die Alten bereiteten duftige Bäder aus diesemKraut. Wie der Feldthymian galt auch diese Pflanzeals kräftige Abwehr gegen den Teufel und seine geilenLüste. Wenn sich sogar Hexen auf dieses Kraut setzten,konnte der sie verfolgende Teufel ihnen nichts anhaben( Zingerle, Sitten usw. des Tiroler Volks 114).

Linse.( Vicia lens).

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Bei den Aegyptern mag die Linse wie die Bohne alsunrein gegolten haben. Auch bei den Griechen stand siein keinem sonderlichen Ansehen. Ähnlich wie die Altentadelt auch die heilige Hildegard( 1098-1179) in ihrem,, Physica" die Linse, daß sie den Bauch mit Winden fülle( ventrem vanitate implet). Im Gegensatz zu Bohnen undErbsen gilt die Linse bei Mattioli( 139 A) als Antaphrodisi-acum: Die Linsen benehmen die unkeuschen Gelüste. Diefetten Leute sollen lieber Linsen essen, denn sie trocknen,