Druckschrift 
1: Volkserotik und Pflanzenwelt : eine Darstellung alter wie moderner, erotischer und sexueller Gebräuche, Vergleiche, Benennungen, Sprichwörter, Redewendungen, Rätsel, Volkslieder, erotischen Zaubers und Aberglaubens, sexueller Heilkunde, die sich auf Pflanzen beziehen. 1.
Entstehung
Halle a. S. [ca. 1908]
Seite
126
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Kinder wird sie haben( Böhmen, Schlesien). Die Erbsenwerden also mit Kindern verglichen, die Schote selbst istdie Mutter, vergleiche das Volksrätsel( Mecklenburg):,, Knickelbeen Vader, hollebolle Moder, glattköpt Kinder".Selbst die Obtsbäume werden fruchtbar gemacht, wennman mit einem Säckchen Erbsen an sie schlägt( Böhmen).Erbsen machen auch die Hühner eierreich( Ostpreußen,Oldenb.). Erbsen werden auch am Christabend dem Viehin die Ställe geworfen und machen es fruchtbar. Einenoffenbar erotischen Nebensinn hat ein Brauch in der Eifel:wenn am ersten Fastensonntage die große Radscheibe insTal gerollt wird, sammeln die Schulknaben das Stroh, dieSchulmädchen aber die Erbsen, welche sie dann mit denKnaben zusammen verzehren. Sie singen dabei ein Lied,das auch andere Fruchtbarkeitssymbole( Birnen, Äpfel,Bohnen) besingt( Z. f. d. M. I. 90).

In Litauen besteht noch jetzt, wie ehemals auch inPolen, die Sitte, einem Liebhaber, dessen Werbung abge-wiesen werden soll, einen Kranz von Erbsen zu geben.,, Mit dem Erbsenkranze sterben" heißt daher als Junggesellesterben.

Die kugelrunde Form der Erbse erinnerte von alters-her an die Hoden. So heißt eine Sorte Erbsen inder Schweiz( Gallen bei Sargans) ,. Hodelerbsen". Eineandere Sorte nennt man im Straßburgischen, Heirats-erbse".

Ein Rätsel beim Erbsendreschen heißt:

Nüddel, nüddel, nüt, wo löpst du na?

Ik will na minen nöten gahn,De sall mi vör de Klöten slahn.

Gartenmelisse.( Melissa officinalis).

Dieses angenehm nach Citronenöl duftende Krautwanderte frühzeitig aus dem Süden zu uns ein. Es wardin der sexuellen Volksmedizin ein wichtiges Frauen-oder Mutterkraut. Bock berichtet: das Mutterkraut ist ge-