Druckschrift 
1: Volkserotik und Pflanzenwelt : eine Darstellung alter wie moderner, erotischer und sexueller Gebräuche, Vergleiche, Benennungen, Sprichwörter, Redewendungen, Rätsel, Volkslieder, erotischen Zaubers und Aberglaubens, sexueller Heilkunde, die sich auf Pflanzen beziehen. 1.
Entstehung
Halle a. S. [ca. 1908]
Seite
104
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lusium hielt Zeus einen Granatapfel in der Hand, da erehemals der bräutlichen Hera einen Granatapfel zu essengegeben. So wurde diese Frucht Symbol der Brautnacht.Wegen des Symbols ehelicher Fruchtbarkeit wurde sie auchder Demeter zugesprochen. Persephone war durch denGenuß von Granatkörnern dem Hades zugefallen. Dasdeutet ebenfalls auf die alte Sitte, daß Brautleute diese alsSymbol ehelicher Zusammengehörigkeit, zugleich als Aphro-disiacum vor der Brautnacht zusammen aẞen. Heute nochbewerfen in Aegina die Trauzeugen die Brautleute mitErbsen und Granatäpfeln sofort nach der Einsegnung, umihnen Fruchtbarkeit zu erwecken. Einen Granatapfelzuwerfen galt als Liebeserklärung: Akontios, ein schöner,aber armer Jüngling, liebte die vornehme Kydippe.nahm zu einer List seine Zuflucht, schrieb auf einen Granat-apfel: Ich schwöre, daß ich den Akontios zum Gattennehme". Die Sklavin, welche Kydippe begleitete, hob dieGranate, die Akontios hatte fallen lassen, auf und überreichtesie der Kydippe, welche das Geschriebene las und so denSchwur aussprach, den sie nun halten mußte.

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Er

In Deutschland gilt die Granate ebenfalls als erotisch-sexueller Fruchtbaum, freilich in geringerem Maße, da erim weitaus größten Teile nur als Treibhauspflanze gedeihtund so der Volkstümlichkeit entbehren muß. Der Genußvon Granatäpfeln soll die Geburt erleichtern, ferner allzu-starke Menses hemmen. Bei den Südslaven ist derGranatapfel neben Apfel, Quitte und Pomeranze ein be-liebtes Symbol des Segens und der Fruchtbarkeit. Er darfauf dem Tische der Hochzeitsleute nicht fehlen( Krauß 376,417).

Keuschlamm.

( Vitex agnus castus).

Der ansehnliche Strauch mit den graulichen, fünf bissiebenzeiligen Blättern, den lilaroten Blütensträußen undden schwarzen Fruchtkörnlein stand bereits bei den Hellenenund wohl schon bei den asiatischen Semiten( Phönikern,Syrern) in hohem Ansehen und war wohl einer mütterlichen