Druckschrift 
1: Volkserotik und Pflanzenwelt : eine Darstellung alter wie moderner, erotischer und sexueller Gebräuche, Vergleiche, Benennungen, Sprichwörter, Redewendungen, Rätsel, Volkslieder, erotischen Zaubers und Aberglaubens, sexueller Heilkunde, die sich auf Pflanzen beziehen. 1.
Entstehung
Halle a. S. [ca. 1908]
Seite
37
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Im Elsaß wie in Oberbayern stellt der Geliebte nachtsvor dem ersten Mai eine schlanke Tanne, zuweilen mitBlumen und Bändern geschmückt, vor das Fenster der Ge-liebten. Sie ist, wie wir sahen, der Lebens- und Segens-baum des Liebsten bezw. der Liebsten. Sie wird zumSymbol der reinen, treuen Liebe. Siehe Ergänzungsband.Schlechten Weibsbildern setzt man am Lechrain dürreBäume vor das Haus.Uebrigens gilt in Japan dieFichtentanne als Symbol der körperlichen Kraft des Bräuti-gams, während ein Miniaturpflaumenbaum das Symbol derweiblichen Schönheit der Braut ist. Bei Verlobungen stelltman diese beiden in zwei Töpfchen auf den Tisch.

Als Lebenrute dient die Fichtentanne in den Gegen-den von Hildesheim, Braunschweig bis Halberstadt hin.Zwischen Halberstadt und Braunschweig peitscht man sichgegenseitig mit Tannenreisern zu Aschermittwoch undnennt das nach dem Tage Asch abkehren". Im Hildes-heimschen fuhet( futtelt) man zu Fastnachten die Mädchenund Frauen mit einem bänderbeschmückten kleinen Tannen-bäumchen an die Knöchel. Am Tage darauf ,, fuhen" dieMädchen und Frauen.

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Auch sexuelle und erotische Mittel spendet dieFichtentanne. Fichtenrinde dient zu Lohbädern bei Mutter-leiden. Die grünen Zirbeln der Fichten werden zerstoßen,ehe sie holzhart werden, in Wasser gebrannt, dann netztman leinene Tücher darein und legt diese auf die Brüste,daß diese nicht groß wachsen. Bekanntlich galten kleineBrüste in früheren Jahrhunderten als Zierde der Frauen.Solches Zirbelwasser trieb auch die ausfallende Mutterwieder hinein; man wusch auch das heimliche Gemachdamit, um es enger und zur Wollust empfindlicher zumachen( Mattioli).

Haselnuẞ.

( Coryllus avellana).

Die Haselnuẞ, deren altgermanisches Wort schon invorgermanischen Zeiten wurzelt, war in grauer Vorzeit eine