Druckschrift 
1: Volkserotik und Pflanzenwelt : eine Darstellung alter wie moderner, erotischer und sexueller Gebräuche, Vergleiche, Benennungen, Sprichwörter, Redewendungen, Rätsel, Volkslieder, erotischen Zaubers und Aberglaubens, sexueller Heilkunde, die sich auf Pflanzen beziehen. 1.
Entstehung
Halle a. S. [ca. 1908]
Seite
31
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Brombeere.

( Rubus fructicosus).

Der Brombeerstrauch hat im deutschen Volksglaubenkeine erotischen Beziehungen. Er dient vielmehr wegen- den Hexen als Nachtlager,seines struppigen Aussehensauch kann man sie durch einen Kranz von Brombeerwurzelnerkennen. Nur die dunklen Früchte reizten zu sexuellenVergleichen, so nennt man sie in Bayern ,, Hirschbollen"oder Hirschbellen". Die Bellen, Bälle, Bällchen sind dieHoden( ags: beal). In Schlesien heißen die FrüchteArschbeeren, wohl wegen ihrer bräunlichen Farbe.

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Buche.

( Fagus silvatica).

Die Buche war ein uralter Kultbaum, wohl schon inindogermanischer Zeit. Wegen ihrer eßbaren Früchte,der Bucheckern(= got. akran Frucht), war sie hochgeschätzt.Und noch heute sind die ,, Büchele"( Bucheicheln) eineKultspeise zu Allerseelen in Oberbayern. Später ist dieBedeutung der Buche durch andere Kultbäume, Eichen,Birken, Tannen gemindert worden. In der Volkserotiktrit sie ganz und gar zurück.

Die Buche stand vermutlich zu einer heidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnischenFruchtbarkeitsgottheit in Beziehung( Höfler S. 82).Es werden ,, Kindlbuchen" in Oberbayern erwähnt, auchLeonhardts- und Margarethenbuchen. Beide Heilige sindHelfer bei Entbindungen. Vielleicht ist die Buche vor derEsche der große Ahn des Menschengeschlechts im ur-germanischen Volksglauben gewesen. Auch in Delling( Kreis Wipperfürth) kommen die Kinder aus Buchen. Inder Gegend von Schlebusch( Köln) läßt man sie aus einemausgehöhlten Buchenstumpfe( ,, dem holen Stock") kommen.

Als Dorfmaie tritt sie nur vereinzelt auf. In derEifel zwischen Aachen und Trier richten zu Pfingsten diejungen Burschen eine junge Buche auf dem Dorfplatz aut,