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Volkskunde in Österreich : Bausteine zu Geschichte, Methoden und Themenfeldern einer Ethnologia Austriaca
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Albert F. Reiterer

Interethnik- Phänomen Ethnizität

Einleitung: Ethnizität und Nation

Ethnizität, Ethnie, nicht mehr allerdings ethnisch, sind Begriffe, wel-che im Deutschen ungebräuchlich erscheinen, weniger anderswo( Breton1980; Cuisenier 1990). Das ist umso erstaunlicher, als Zusammensetzungenmit ,, Ethno-" seit eineinhalb Jahrhunderten gängig sind, insbesondere dasWort ,, Ethnologie. Dieser Unterschied bildet eine Entwicklung in Politikund Wissenschaft ab. Der Zusammenhang von Ethnizität mit Nation undNationalismus steht zur Debatte.

Berichte von Reisenden bis zur Halbzeit des 19. Jahrhunderts zeigendiesen Prozeß deutlich. Der Hamburger Johann Georg Kohl( 1987)unterscheidet bei seiner Reise nach Dalmatien Anfang 1850 eine großeZahl unterschiedlicher Völker in diesem Gebiet. Er tendiert dazu, jedesDorf als eine eigene ethnische Einheit zu sehen. Dies ist keine schrift-stellerische Übertreibung. In der ersten offiziösen Darstellung der Völkerdes Habsburgerreiches spricht auch Carl von Czoernig( 1857) allein inIstrien von 13 unterschiedlichen ,, Volkstümern. Dabei unterscheidet erz. B. bei den Italienern Nachkommen der alten Römer, Venezianer und Sonstige. Auch die Verhältnisse in Dalmatien machen ihm Schwierig-keiten. Ähnliches findet man noch 40 Jahre später in den ersten Nummernder Österreichischen Zeitschrift für Volkskunde. Unter den größerenEinheiten benennt Czoernig in einer dreistufigen Klassifikation erst aufder dritten Stufe einige nationale Einheiten, die auch wir heute noch alsNationen( aner-) kennen, z. B. die Tschechen, aber auch die Mährer ¹.Ihnen stehen bei den Deutschsprachigen nicht etwa die Deutschengegenüber, sondern der bairisch- alemannische Stamm, der fränkischeStamm", usw. Die Nationenbildung war Mitte des 19. Jahrhunderts kei-

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¹ Sie tauchen in der tschecho- slowakischen Volkszählung 1991 wieder als eigene Nationauf, zu der sich insbesondere in Südmähren ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung zählte.Es handelt sich um einen peripheren Regionalismus, der nach einem nationalen Identi-tätsausdruck sucht. Diese mährische Welle ist mittlerweile weitgehend abgeebbt.

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