Hans Haid
Volkskunde/ Volkskultur zwischen Pflege undKulturarbeit
,, Was bedeutet Kultur für Sie persönlich?“ In der deutschen Wochenzei-tung Die Woche( 29.12.1993, 2) scheint die Antwort gegeben zu sein. FürÖsterreich will ich die Verhältnisse von Deutschland- Ost zugrundelegen.Zwischen 1988 und 1993 hat deutlich der Anspruch zugenommen, Kulturmüsse sich mit aktuellen Problemen beschäftigen, sie solle provozieren,aber sie soll auch das Leben schöner machen:
1988 1993 1993
West West Ost
1993insgesamt
Kultur soll...
%
%
%
%
Denkanstöße geben
71
73
71
73
..bilden
73
71
68
70
.Leben schöner machen
60
67
68
70
Harmonie fördern
64
62
66
63
..Probleme aufgreifen
33
45
..provozieren
25
25
13
43
44
33
27
Was hier für„ Kultur“ gilt, ist noch prägnanter für„ Volkskultur“ und ihreWirksamkeit.
Nach diesen Kriterien versuchen wir die österreichischen„, Volkskultur"-Angebote zu messen. Also: der überwiegende Teil der offiziellen, halb-oder ganzamtlichen, der etablierten Institutionen einschlägiger Art gibtbestenfalls Denkanstöße, ist hilfreich beim Verschönern des Lebens undist dazu prädestiniert, Harmonie zu fördern. Oder: Probleme zu kaschieren,von diesen abzulenken. Kultur als„ Zierleiste“ des Lebens, als dekorativerSelbstzweck. Oder als Harmonisierungspflästerchen der Obrigkeit. Alswillkommener Handlanger zur Ruhigstellung des Volkes. Es sei an denAhnvater der Volkskunde als Wissenschaft, an den alten Wilhelm Hein-rich Riehl( 1823-1897) erinnert. Diese Wissenschaft, als„ Vorhalle derStaatswissenschaften“ muß diffizil eingesetzt werden:
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