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Volkskunde in Österreich : Bausteine zu Geschichte, Methoden und Themenfeldern einer Ethnologia Austriaca
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617
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Susanne Breuss

Volkskundliche Familienforschung in Österreich

Volkskundliche Familienforschung in Österreich?

Bereits im ersten Jahrgang der Zeitschrift für österreichische Volkskunde( 1895, 62) findet sich ein Hinweis auf die volkskundliche Bedeutung derFamilie: in der Empfehlung zur Einteilung der aktiven Mitglieder des Ver-eins für Volkskunde in Arbeitsgruppen scheint neben, Sage und Aberglau-be" ,,, Trachten und Schmuck, Hausforschung" und anderen klassischenKanon- Themen auch Privatleben, Familie, Feste auf. Ein Jahr späterwurde in der Rubrik Sprechsaal vorgeschlagen, Familien- Dokumentezu sammeln und dem Vereins- Museum bzw. Archiv zur Verfügung zustellen, da die Familiengeschichte auch Volksgeschichte sei( Zeitschriftfür österreichische Volkskunde 1896, 380). Der sechste Jahrgang derZeitschrift enthält eine vierteilige Artikelserie über das Familien- undVolksleben in Bosnien und in der Herzegowina( Lilek 1900). In der Kon-stituierungsphase von Zeitschrift, Verein und Museum für Volkskunde( begründet von Michael Haberlandt und Wilhelm Hein) galt die Familiealso durchaus als eigenständiger volkskundlicher Forschungs- bereichwobei noch zu untersuchen wäre, inwieweit in diesem Zusammenhangdie wissenschaftlichen Wurzeln Michael Haberlandts in der Anthropologi-schen Gesellschaft in Wien bzw. in der anthropologisch- ethnographischenAbteilung des K. K. Naturhistorischen Hofmuseums in Wien eine Rollespielten. Möglicherweise lag vor diesem Hintergrund eine Beschäftigungmit der Familie näher als in der philologischen oder in der an Sachkulturorientierten Ausrichtung der Volkskunde.

Nach dem Ersten Weltkrieg schien sich das Interesse an der Familie nochzu verstärken, zumindest wurde nun auch Programmatisches zur Bedeu-tung der Familienforschung für die Volkskunde publiziert. Die WienerZeitschrift für Volkskunde veröffentlichte 1923 einen u. a. von Michaelund Arthur Haberlandt unterzeichneten Aufruf mit dem Titel Pfleget dieFamiliengeschichte!( Dopsch u. a. 1923). Die neue Zeit mit ihrer Frei-zügigkeit, ihrem individualistischen Denken, mit der starken Fluktuationder Bevölkerungsteile, dem ungeheuren Zuzug in die Städte vom offenenLand her, mit der gesteigerten Auswanderungsbewegung, habe die Seẞ-